#Economists4Future

Warum wir eine agile Klimapolitik brauchen

Die scheinbare Eindeutigkeit der wirtschaftswissenschaftlichen Analyse von Maßnahmen gaukelt eine Berechenbarkeit vor, die nichts mit der Realität zu tun hat. Vielmehr braucht es gerade in der Klimapolitik einen Ansatz, der flexibel reagieren kann und gleichzeitig die Entwicklung neuer innovativer Lösungen befördert: das sogenannte agile Politikdesign.

Im Angesicht der Klimakrise und der Fridays-for-Future-Proteste hat das Netzwerk Plurale Ökonomik unter #Economists4Future dazu aufgerufen, Impulse für neues ökonomisches Denken zu setzen und bislang wenig beachtete Aspekte der Klimaschutzdebatte in den Fokus zu rücken.

In dieser Debattenreihe erscheint wöchentlich ein ausgewählter Beitrag, der sich kritisch-konstruktiv mit aktuellen Leerstellen und Herausforderungen in der Klimaökonomik auseinandersetzt. Dabei geht es beispielsweise um den Umgang mit Unsicherheiten und Komplexität sowie um Existenzgrundlagen und soziale Konflikte. In diesem Beitrag plädieren Jonathan Barth und Jakob Hafele dafür, dass das Konzept des „agilen Politikdesigns” auch in der Klimapolitik Einzug halten sollte. Alle bisher im Rahmen der Serie erschienenen Beiträge finden Sie hier.

Die öffentliche Debatte hat sich in der Klimapolitik bisher vor allem um Maßnahmen gedreht: Emissionshandel oder CO2 Steuer, Investitionsprogramm oder Innovationsanreize, Verbote, Subventionen oder die Kennzeichnung von nachhaltigen Produkten. Das ist verständlich. In Maßnahmen schlägt sich nieder, was getan wird. Es ist deshalb wichtig und richtig, sehr genau zu überlegen, welche konkreten Maßnahmen eingeführt werden.

Doch der alleinige Fokus auf Maßnahmen reicht nicht aus, denn die Wirtschaft ist heutzutage hoch komplex und gleichzeitig adaptiv: Milliarden von Akteuren nehmen täglich am globalen Wertschöpfungsprozess teil, interagieren und stellen sich auf immer wieder wandelnde Rahmenbedingungen ein. Diese Komplexität ist für die Klimapolitik besonders bedeutend. So betrifft Klimapolitik die unterschiedlichsten Ressorts und Stakeholder.

Gleichzeitig führt die Komplexität dazu, dass die Folgen von Politikmaßnahmen immer schwerer abgeschätzt werden können. Zwar lassen sich grobe Schlüsse ziehen und einzelne Muster beobachten: Preisdifferenzen spielen beim Konsum eine Rolle, internationaler Wettbewerb setzt Arbeitsplätze unter Druck. Dieses Wissen sollte genutzt werden. Doch die scheinbare Eindeutigkeit der wirtschaftswissenschaftlichen Analyse von Maßnahmen gaukelt eine Berechenbarkeit vor, die nichts mit der Realität zu tun hat.

Der europäische Emissionshandel (ETS) ist ein gutes Beispiel: Durch Lobbying, welches in den ökonomischen Modellen zum ETS nicht groß beachtet wurde, wurden zu viele Zertifikate ausgeschüttet. Damit wurde der Mechanismus systematisch untergraben und die Lenkungswirkung fällt weit hinter die Erwartungen zurück. Genauso zeigen die französischen Gelbwesten, was passieren kann, wenn die soziale Dimension der Klimapolitik vernachlässigt wird.

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