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Welche Auswirkungen die Hartz IV-Reform auf den Rückgang der Arbeitslosigkeit hatte

Die Debatten um Hartz IV dürften auch in Zukunft nicht abreißen. Doch welche wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirkung der Reform gilt es in der politischen und fachlichen Auseinandersetzung zu berücksichtigen? Eine Übersicht von Tom Krebs.

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Welche Auswirkungen die Hartz IV-Reform auf den Rückgang der Arbeitslosigkeit hatte

Michael Wendl

Drei kritische Anmerkungen zu dieser lesenswerten Übersicht über Forschungsergebnisse zu den Beschäftigungseffekten von Hartz IV.

  1. Diese Zusammenfassung zeigt, dass es signifikant unterschiedliche Ergebnisse der empirischen Untersuchungen über ein gemeinsames Forschungsobjekt, also Hartz IV gibt. Das zeigt eher das theoretische Elend mikroökonomischer Arbeitsmarktforschung. Die hier verwendeten Modelle müssen zum Teil falsch sein.
  2. Bei diesen Untersuchungen wird auf die Berücksichtigung makroökonomischer Faktoren auf die Entwicklung der Beschäftigung verzichtet. Einmal wird die Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen Arbeitsvolumens nicht erfasst. Zweitens wird die konjunkturelle Entwicklung nach der Konjunkturkrise 2001/02 ausgeblendet. Hier wäre zu fragen, warum der Konjunkturaufschwung in Deutschland erst an 2006 spürbar wird (anders als in den meisten europäischen Ländern). Drittens wird der starke Anstieg der Auslandsnachfrage ab 2006 nicht berücksichtigt.
  3. Um die Arbeitsmarkteffekte von Hartz IV bewerten zu können, müsste eigentlich ein Alternativszenario nachgezeichnet werden: Eine traditionell keynesianische Beschäftigungspolitik mit einem starken Anstieg der öffentlichen Investitionen. Diese Alternative gab es bereits ab dem 2. Halbjahr 2001. Die Regierung Schröder hat keynesianische Konjunkturpolitik nicht verstanden und sie deshalb auch nicht versucht (die “Politik der ruhigen Hand”). Die Regierung hat die Arbeitsmarktprobleme, die sie mit den Hartz-Gesetzen bekämpfen wollte, selbst mit erzeugt.