Übersicht Konjunkturprognosen 2017/18

So könnte es mit der deutschen Wirtschaft weitergehen

Die meisten Konjunkturprognostiker erwarten, dass sich das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr verlangsamen wird. Jedoch könnte es ausreichen, um die Arbeitslosenquote weiter leicht zu senken. Die Inflationsrate dürfte auf den höchsten Stand seit mehreren Jahren steigen.

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Laut der heute veröffentlichten ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2016 gegenüber dem Vorjahr um 1,9% gewachsen. Das ist die höchste Rate seit 2011 und ein halber Prozentpunkt mehr, als die Wirtschaft in den letzten zehn Jahren durchschnittlich zugelegt hat. Wie die Bundesagentur für Arbeit bereits in der letzten Woche gemeldet hatte, ist die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt auf 6,1% gefallen (2015: 6,4%). Die Inflationsrate lag 2016 mit 0,5% nur geringfügig höher als im Vorjahr (0,3%).

Aber wie geht es mit der deutschen Wirtschaft weiter? Zur Orientierung haben wir die jeweils aktuellsten Konjunkturprognosen von insgesamt 24 Wirtschaftsforschungsinstituten, Banken, Verbänden und staatlichen Institutionen ausgewertet (eine Übersicht der einzelnen Prognosen mit den entsprechenden Eckdaten und Verlinkungen zu den Originaldokumenten finden Sie hier).

Aus diesen Prognosen haben wir nach dem Prinzip „Schwarmintelligenz“ die durchschnittlichen Erwartungen zu Wirtschaftswachstum, Arbeitslosenquote und Inflationsrate berechnet. Um die Wirkung von Ausreißern zu reduzieren, wurden jeweils der höchste und niedrigste Wert herausgerechnet.

Bruttoinlandsprodukt

Im Durchschnitt gehen die von uns berücksichtigten Prognosen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft 2017 nur noch um 1,4% wachsen wird. Das ist etwas weniger, als die Auguren bei der letzten Aktualisierung dieser Übersicht im Mai erwartet hatten. 2018 sollen es 1,6% werden. Interessant ist auch, dass die Prognostiker im Januar 2016 die Wachstumsrate durchschnittlich besser vorhergesagt haben als im Mai. Die Abwärtskorrektur zur Jahresmitte war also überpessimistisch.

Reale Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %. Quellen: Destatis, eigene Berechnungen

Arbeitslosenquote

Eine erfreuliche Fehleinschätzung haben die Prognostiker mit Blick auf die Arbeitsmarkt-Entwicklung produziert. So ist die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2016 auf 6,1% und damit deutlich stärker gesunken, als zuvor erwartet worden war. Für 2017 und 2018 wird eine Arbeitslosenquote von jeweils 6,0% prognostiziert.

Vier Prognosen geben die Arbeitslosenquote nicht wie in Deutschland meist üblich nach dem Konzept der Bundesagentur für Arbeit (BA), sondern ausschließlich nach dem international gebräuchlichen Standard der Internationalen Arbeiterorganisation ILO an. Bei der Berechnung der Durchschnittswerte haben wir die Prognosen nach dem ILO-Konzept dementsprechend nicht berücksichtigt.

Arbeitslosenquoten nach dem Konzept der Bundesagentur für Arbeit, Jahresdurchschnittswerte. Quellen: Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnungen

Inflationsrate

Die Inflationsrate dürfte in den kommenden zwei Jahren wieder höher ausfallen. Für 2017 wird im Schnitt eine Preissteigerungsrate von 1,5% prognostiziert. Das ist in etwa der Wert, den die Auguren schon bei den letzten beiden Aktualisierungen dieser Übersicht erwartet haben – man kann also kaum davon sprechen, dass der jüngste Anstieg der Inflationsrate „überraschend“ gekommen wäre, wie zuletzt vielfach zu hören war. 2018 sollen die Preise dann um 1,7% steigen.

Inflationsraten gegenüber dem Vorjahr, Jahresdurchschnittswerte. Quellen: Destatis, eigene Berechnungen

 

Hinweis:

Hier finden Sie eine tabellarische Übersicht der von uns berücksichtigten Prognosen mit Links zu den jeweiligen Quellen.