Es kam dann doch wie befürchtet: Die Importzölle Trumps im Kontext der America First-Doktrin verhageln die US-Geschäfte von deutschen Industrieunternehmen. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) sind die deutschen Ausfuhren in die USA im ersten Halbjahr 2026 um 6,1% gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen. Damit hat sich auch der deutsche Exportüberschuss um mehr als 8 Milliarden Euro auf „nur“ noch 22,5 Milliarden Euro verringert.
Bei der Einordnung dieser Zahlen ist – was auch Destatis in seiner Pressemitteilung anmerkt – Vorsicht geboten: Denn die eigentliche Zolleskalation aus Sicht der EU war erst seit dem April 2025 zu verzeichnen, sodass der oben genannte Zeitraum auch Monate beinhaltet, in denen lediglich höhere Zölle für Aluminium und Stahl durch Trump veranschlagt wurden. Erst im April 2025 führte Trump einen globalen Basiszoll von 10% ein und darüber hinaus sogenannte reziproke Zölle, differenziert nach Ländern und Branchen. Daher startet der Analysezeitraum in diesem Beitrag erst mit dem April 2025.
Um auch mögliche saisonale Verzerrungen zu vermeiden, wird das jeweilige Exportvolumen von April 2025 bis einschließlich März 2026 verglichen mit der Exportmenge von April 2024 bis März 2025 als Referenzgröße. Darüber hinaus werden auch die Daten am aktuellen Rand beleuchtet. Im Fokus stehen die bedeutendsten Entwicklungen in den Bundesländern sowie in den wichtigsten Branchen. Verwendet werden ausschließlich Daten des Statistischen Bundesamtes.
Es war absehbar, dass Trumps Zollpolitik die Weltwirtschaft und den Welthandel und damit auch die deutsche Exportwirtschaft massiv belasten würde: einerseits über direkte Preiseffekte, da der grenzüberschreitende Warenhandel teurer wird, andererseits über die gestiegene Unsicherheit. Denn mit dem Trump’schen Zickzack-Kurs werden Unternehmen und Verbraucher weltweit – insbesondere in den USA – verunsichert, was im Umkehrschluss auf Konsum und Investitionen lastet. Hinzu kommt, dass global aufgestellte Unternehmen wie die deutsche Industrie ihre Liefer-, Wertschöpfungs- und Handelswege im Zweifel neu austarieren müssen.
Deutschlands Exporte in die USA sind eingebrochen
Die deutschen Ausfuhren in die USA sind binnen eines Jahres um mehr als 12% zurückgegangen (siehe Abbildung 1). Unter den Top-5-Exportgütern ist der Rückgang besonders markant für Kraftwagen und Kraftwagenteile, während die sonstigen Rückgänge unterproportional waren. Unter den 33 Warengruppen, die vom Statistischen Bundesamt erfasst werden, gibt es nur sieben Güter, deren Exporte in die USA nicht gesunken sind. Diese sind allerdings für das gesamtdeutsche Exportgeschäft mit den USA von sehr geringer Bedeutung (mit Ausnahme von Metallerzeugnissen). Neben dem Bereich Kraftwagen und Kraftwagenteile waren die Gütergruppen Sonstige Fahrzeuge, Erzeugnisse der Landwirtschaft, Getränke und Wertstoffe unter den Branchen mit den heftigsten Rückschlägen in ihrem US-Geschäft.
Abbildung 1: Entwicklung der deutschen Exporte der Top-5-Warengruppen in die USA

Betrachtet man die Entwicklungen am aktuellen Rand, gibt es allerdings Anzeichen für eine Trendumkehr. Zwischen April 2025 und April 2026 waren die gesamten deutschen Ausfuhren im Vergleich gegenüber dem Vorjahresmonat in jedem Monat gesunken, zum Teil mit zweistelligen Raten. Doch im Mai und im Juni 2026 konnten die deutschen Ausfuhren wieder kräftig zulegen.
Beim Blick auf die wichtigsten deutschen Exportbranchen im Geschäft mit den USA gibt es ebenfalls Hoffnungsschimmer. Im Juni 2026 konnten die Exporte von Kraftwagen- und Kraftwagenteilen mit einem Plus von gut 6% erstmals wieder seit März 2025 gegenüber dem Vorjahresmonat zulegen. Auch die Gütergruppe Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse legte im Juni 2026 kräftig um über 13% zu, nachdem sie seit April 2025 nur in zwei Monaten minimal steigen konnte.
Der Export von Maschinen wuchs zuletzt sowohl im April als auch im Juni kräftig. Bei den Ausfuhren von elektrischen Ausrüstungen scheint sich im 2. Quartal ein Aufwärtstrend eingerichtet zu haben, sie legten drei Monate in Folge zu, zweimal sogar mit zweistelligen Wachstumsraten. Bei Pharmaprodukten fällt beim Verlauf seit April 2025 eine große Volatilität in den Wachstumsraten gegenüber dem Vorjahr auf, kräftige Anstiege wechseln sich mit starken Einbrüchen ab.
Ausfuhren in die USA leiden in fast allen Bundesländern
Besonders spannend ist ein Blick auf die einzelnen Bundesländer. Im Zeitraum April 2025 bis März 2026 gingen in 14 der 16 Bundesländer die Ausfuhren in die USA zurück (siehe Abbildung 2).
Abbildung 2: Entwicklung der US-Exporte in den einzelnen Bundesländern

Es gab nur zwei Ausnahmen, nämlich Hessen mit einem Anstieg von über 56% und das Saarland mit einer schwarzen Null. Im Saarland ist dies auf Anstiege der Ausfuhren in gewichtigen Gütergruppen wie Kraftwagen und Kraftwagenteile (+6,5%), Maschinen (+2%), Elektrische Ausrüstungen (+15,2%) und insbesondere pharmazeutische Erzeugnisse (+43,7%) zurückzuführen, die sich komplett entgegen dem bundesweiten Minus entwickelten.
Das Statistische Landesamt Hessen konnte auf Anfrage zwar keine weitergehenden Informationen zu dem dortigen außergewöhnlich starken Anstieg liefern. Klar ist aber, dass das starke Plus vor allem durch eine mehr als Verdreifachung des dort wichtigsten Exportguts Pharmaprodukte zustande kam. Darüber hinaus waren aber auch stärkere Anstiege für die Warengruppen Metalle (+56,7%), Metallerzeugnisse (+10,8%) und elektrische Ausrüstungen (+6,6%) zu verzeichnen.
Wie Abbildung 2 zu entnehmen ist, haben sich die US-Exporte in den beiden Stadtstaaten Bremen und Hamburg binnen eines Jahres nahezu halbiert. Gerade für Bremen ist dies eine wirtschaftliche Belastung, da die USA dort unter allen Bundesländern den größten Anteil an den Ausfuhren hatten. Für die wichtigsten Exportgüter Bremens in die USA gab es ausnahmslos kräftige Rückgänge, vor allem haben sich die stark dominierenden Ausfuhren von Kraftwagen und Kraftwagenteilen binnen eines Jahres nahezu halbiert. Aber auch die Ausfuhren von sonstigen Fahrzeugen (-21%), Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen (-49%) und von Nahrungs- und Futtermitteln (-64,2%) sind kräftig gesunken.
In Hamburg ist die Fast-Halbierung des wichtigsten Exportguts sonstige Fahrzeuge für den starken Einbruch der Ausfuhren in die USA maßgeblich verantwortlich. Aber auch die Exporte von chemischen Erzeugnissen und Metallen sind im Untersuchungszeitraum um mehr als 60% innerhalb eines Jahres geschrumpft.
Vor allem Bayern und Baden-Württemberg ziehen das Ergebnis nach unten
Rund 50% der gesamtdeutschen Exporte in die USA entfielen 2025 allein auf die drei größten Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen (siehe Abbildung 3). Das ist etwas weniger als 2024. Während der Anteil von Baden-Württemberg um gut zwei Prozentpunkte und der von Bayern leicht gesunken ist, hat die Bedeutung Nordrhein-Westfalens für das bundesdeutsche US-Geschäft leicht zugelegt.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Exportdaten zwischen April 2025 und März 2026 wider. Denn für die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg waren die Rückschläge im US-Geschäft deutlich stärker als im Bundesdurchschnitt von 12,4%. Dagegen kam Nordrhein-Westfalen mit einem Minus von „nur“ knapp 7% glimpflicher davon. In einem nächsten Schritt wird nun auf die spezifischen Entwicklungen dieser drei Bundesländer eingegangen.
Abbildung 3: Wenige Bundesländer dominieren das Exportgeschäft mit den USA

In Baden-Württemberg sind zwischen April 2025 und März 2026 die Ausfuhren in die USA insgesamt und für die wichtigsten Exportbranchen ausnahmslos gesunken. Besonders markante Rückgänge waren für Kraftwagen und Kraftwagenteile (-19,2%), Pharmaprodukte (-12,6%), Maschinen (-13%) sowie elektrische Ausrüstungen (-17,2%) zu verzeichnen. Dagegen hielt sich das Minus für Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse in Grenzen (-3,4%).
Am aktuellen Rand gibt es jedoch positive Tendenzen. So konnten die Gesamtexporte aus dem Ländle im Mai und Juni 2026 zweimal in Folge zulegen (jeweils im Vorjahresvergleich). Auffällig ist das starke Plus in der Automobilindustrie im Juni: Deren Exporte in die USA stiegen um mehr als 40% gegenüber dem Vorjahresmonat. Ob damit eine Trendwende eingeleitet wurde, bleibt allerdings abzuwarten. Auch die Ausfuhren von elektrischen Ausrüstungen sind im Juni seit längerer Zeit wieder im Vorjahresvergleich gestiegen, ebenso die Gütergruppe Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse. Ein ständiges Auf und Ab zeigte sich in den letzten Monaten bei den Ausfuhren von Pharmaprodukten und Maschinen.
Auch die Top-5-Exportgüter Bayerns sind unter anderem als Folge der Zoll-Eskalation allesamt unter die Räder gekommen. Im Zeitraum April 2025 bis März 2026 sind die bayerischen Ausfuhren von Kraftwagen und Kraftwagenteilen um fast 22% gesunken, von Maschinen um 7,8%, von Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen um fast 16%, von elektrischen Ausrüstungen um 12% und von Pharmaprodukten um 4,6%.
In den aktuellen Datenmeldungen gibt es aber Hoffnungsschimmer: So sind die bayerischen Gesamtausfuhren in die USA im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat erstmals wieder seit Mai 2025 gestiegen. Unter den wichtigsten Exportgütern ragt ein extremer Anstieg (+1.200% gegenüber Vorjahresmonat) bei Pharmaprodukten im Juni heraus. Wie in anderen Bundesländern waren die bayerischen Pharma-Exporte zuletzt allerdings sehr volatil.
Schwankungsanfällig war auch der Maschinenbau. Erstmals seit längerer Zeit stiegen im Juni die Ausfuhren von elektrischen Ausrüstungen aus Bayern in die USA. Dagegen setzte sich in den zurückliegenden Monaten der Abwärtstrend bei den Exporten von Kraftwagen und Kraftwagenteilen sowie Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen fort.
Zwischen April 2025 und März 2026 wiesen die fünf wichtigsten Exportgüter Nordrhein-Westfalens in Bezug auf das US-Geschäft ein differenziertes Bild auf: Während die Ausfuhren von Maschinen (-8%) und chemischen Erzeugnissen (-16,3%) in diesem Zeitraum sanken, konnten Pharmaprodukte (+24,7%), Metalle (+1,4%) und elektrische Ausrüstungen (+5,8%) zulegen.
Im Juni 2026 stiegen die Gesamtausfuhren Nordrhein-Westfalens in die USA mit einem Plus von fast 18% gegenüber dem Vorjahresmonat erstmals wieder seit November 2025. Aus Branchensicht war der Anstieg im Juni besonders stark bei Metallen, die schon seit Monaten trotz mehrerer Rückschläge einen Aufwärtstrend aufweisen. Ebenso kommen schon seit vielen Monaten gute Daten aus dem Segment elektrische Ausrüstungen, aber auch ansatzweise bei chemischen Erzeugnissen. Das Exportgeschäft für Maschinen und Pharmaprodukte mit den USA war in den zurückliegenden Monaten volatil.
Ausblick
Es ist davon auszugehen, dass Donald Trumps erratische und restriktive Handelspolitik zu weiteren wirtschaftlichen Belastungen für die deutsche Volkswirtschaft im Allgemeinen, aber auch für die Kernbranchen in den einzelnen Bundesländern im Speziellen führen wird. Dies deuten Unternehmensbefragungen wie beispielsweise eine DIHK-Umfrage aus dem Frühjahr an. Dort werden die US-Zölle als einer der wichtigsten Faktoren für die skeptischen Erwartungen der deutschen Exporteure genannt. Fast jedes zweite deutsche Unternehmen sieht künftig schlechtere Geschäftsaussichten in den USA – ein Wert, der nur noch für das heftig sanktionierte und politisch zum Teil isolierte Russland überboten wird.
Die USA sind aber nach wie vor das wichtigste Zielland deutscher Exporteure. Auch bei fast der Hälfte der Bundesländer sind die USA Exportziel Nummer 1, bei fast allen anderen gehören sie zu den Top 3-Zielländern. Daher sind rückläufige Geschäfte mit den USA nicht so leicht durch positive Entwicklungen in anderen Ländern zu kompensieren. Die aufgehellten Daten am aktuellen Rand lassen aber die Vermutung zu, dass der Höhepunkt der Belastungen insgesamt überschritten sein könnte. In den einzelnen Branchen und Bundesländern fällt das Bild hierbei aber gemischt aus.
Zum Autor:
Mario Jung ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Kaiserslautern.








































