Zukunft der EU

Vom Hegemon zur gewöhnlichen Volkswirtschaft?

Das historische Beispiel Großbritanniens zeigt, wie eine Weltmacht ihre Führung nicht durch Zusammenbruch, sondern durch zu wenig Erneuerung verlieren kann. Die Parallelen zur heutigen EU sind unbequem – und werfen die Frage auf, ob Europa noch rechtzeitig gegensteuert. Ein Beitrag von Bakhtovar Abdukhamedov.

 1870 hätte kaum ein Banker in der Londoner Lombard Street geglaubt, dass Großbritannien binnen eines halben Jahrhunderts aufhören würde, das wirtschaftliche Zentrum der Welt zu sein. Das Empire kontrollierte ein Viertel der Landmasse des Planeten, das Pfund Sterling war die globale Reservewährung, und die City of London finanzierte Eisenbahnen von Argentinien bis Indien. Bis 1913 hatte sich der britische Anteil an der weltweiten Industrieproduktion gegenüber dem Höhepunkt nahezu halbiert. 1945 war das Land de facto kein eigenständiger wirtschaftlicher Pol mehr.

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