Reformen

Zu viel Schutz, zu wenig Zukunft

Das aktuelle Reform-Momentum bietet die Chance, über das hohe deutsche Schutzbedürfnis zu diskutieren. Der Kündigungsschutz steht exemplarisch für ein Schutzversprechen, das mittlerweile mehr kostet als nutzt.

Verbraucherschutz, Kündigungsschutz, Mieterschutz, Datenschutz: Kaum ein Land organisiert und garantiert so viel Schutz wie Deutschland. Das war lange ein Standortvorteil und eine Quelle sozialen Friedens. Zunehmend wird dieses Schutzversprechen aber selbst zum Wohlstandsrisiko. Denn wer zu viel vor Veränderung schützt, verhindert am Ende genau die Anpassungen, die nötig wären, damit Deutschland seinen Sozialstaat, seinen Wohlstand und seine Freiheit verteidigen kann.

Der Begriff „Haltelinie“ in der Rentendebatte bringt das Grundproblem auf den Punkt: Er verteidigt den Status quo, ohne selbst ein Zukunftsversprechen zu sein. Wenn aber das ganze Wohlstandsversprechen der politischen Mitte darin besteht, den Rückgang möglichst sozial abzufedern, überrascht es nicht, dass sich immer mehr Wählerinnen und Wähler radikaleren Alternativen zuwenden. Die jüngsten Reformvorschläge der Bundesregierung sind deshalb ein ermutigendes Signal. Damit daraus mehr wird als ein erster Schritt, lohnt ein genauerer Blick auf das prominenteste Beispiel des deutschen Schutzbedürfnisses: den Kündigungsschutz.

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