Weltwährungssystem

Kann der Euro dem Dollar Konkurrenz machen?

Die EU-Kommission hat erste Vorschläge zur Internationalisierung des Euro präsentiert. Doch bevor die Gemeinschaftswährung an der Dominanz des Dollar rütteln kann, müsste Europa – und allen voran Deutschland – seine Wirtschaftspolitik grundlegend überdenken. Eine Analyse von Adam Tooze und Christian Odendahl.

Foto: Pixabay

Die Dominanz des US-Dollar ist eine permanente Provokation für all jene, die sich eine bedeutendere Rolle für die Europäische Union in der Weltpolitik wünschen. Die europäische Wirtschaft ist in Größe und Entwicklungsstand mit der US-amerikanischen vergleichbar – aber ihre Währung, der Euro, spielt nur die zweite Geige.

Lange Zeit schien die die Dollar-Dominanz nicht wirklich wichtig zu sein. Sie bringt den USA große Vorteile: Regierung, Unternehmen und Konsumenten können sich billig und fast unbegrenzt refinanzieren. Und die USA sind in der Lage, internationale Sanktionen effektiv durchzusetzen, da die Dollar-Dominanz bedeutet, dass keine private Firma in der Lage ist, Sanktionen zu umgehen, ohne massive Strafzahlungen zu riskieren. Für die Europäer war das solange akzeptabel, wie die USA diese Vorteile nicht auf ihre Kosten nutzten. Doch seitdem die Trump-Administration die Wirtschaftspolitik als Waffe einsetzt, ist die Rolle des Euro auf den globalen Märkten nicht länger nur eine ökonomische Frage, sondern auch eine außenpolitische.

Am heutigen Mittwoch hat die EU-Kommission ihre Ideen vorgestellt, wie dem Euro auf internationaler Ebene mehr Gewicht verliehen werden könnte. Dazu zählen etwa die Verbesserung der europäischen Finanzmarktstrukturen, eine Erhöhung des auf Euro lautenden Anteils an den Anleiheemissionen europäischer Einrichtungen und eine breitere Nutzung des Euro in strategischen Schlüsselsektoren.

Aber diese Ambitionen treffen auf gewaltige ökonomische und politische Hindernisse. Nicht nur, dass die Rolle des Dollar fest in der Weltwirtschaft verankert ist. Die notwendigen politischen Reformen, die erforderlich wären, um die globale Bedeutung des Euro zu erhöhen, stoßen insbesondere in der deutschen Politik auf erheblichen Widerstand. Dazu zählen etwa ein ausreichendes Angebot an europäischen Finanzwerten mit Top-Bonität („Safe Assets“) sowie eine Europäische Zentralbank, die ihre weltweite Verantwortung anerkennt. Zudem stünden die Konsequenzen einer erhöhten globalen Euro-Nachfrage im Konflikt mit der momentan in der Eurozone praktizierten makroökonomischen Strategie.

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