Die Konjunkturaussichten der deutschen Volkswirtschaft sind auch im laufenden Jahr trübe. Nach herrschender Meinung bestehen die wesentlichen Investitionshemmnisse für deutsche Unternehmen in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und in der bestehenden Unsicherheit darüber. Ursächlich sind dabei die bekannten und vielfach diskutierten „Standortnachteile“, wie hohe Produktionskosten, unzureichende Produktivität, Bürokratie und Regulierung sowie eine schleppende Digitalisierung.
In der Produktion, insbesondere im für Deutschland wichtigen produzierenden Gewerbe, spielen die Energiekosten eine wichtige Rolle. Die Strompreise sind in Deutschland traditionell hoch. Die deutsche Energiewende wird diese mindestens mittelfristig weiter hochhalten. Das ist einerseits die Folge aus dem erforderlichen Aus- und Umbau der Netzinfrastruktur und der Vorhaltung eines redundanten (fossilen) Teil-Energiesystems, um eine dominant auf erneuerbaren Energien basierende Erzeugung zu ermöglichen, und andererseits der politischen Durchführung der deutschen Energiewende geschuldet. Die Einschränkung des konventionellen Erzeugungsangebots vor der Bereitstellung alternativer Erzeugungsanlagen führt bereits auf dem Anpassungspfad zu höheren Preisen.
Nachdem ein zunehmendes Wirtschaftswachstum eines der zentralen Versprechen der nunmehr seit Mai 2025 im Amt befindlichen schwarz-roten Regierungskoalition ist, stellt sich die Frage, wie die deutsche Konjunktur wieder zu deutlich positiven Wachstumsraten zurückkehren kann.
Geringe Investitionsnachfrage in Deutschland
Ein wesentlicher Grund für die schwache konjunkturelle Entwicklung Deutschlands in den letzten Jahren ist die geringe Investitionsnachfrage. Um diese anzukurbeln, hatte die Bundesregierung kurz nach ihrem Amtsantritt im Mai 2025 das Investitionssofortprogramm beschlossen. Mittels des sogenannten Investitionsboosters, der großzügige degressive Abschreibungen zulässt, einer Absenkung des Körperschaftssteuersatzes, Unterstützungen für die betriebliche E-Mobilität und mit einem Ausbau der Forschungszulage sollte eine Erhöhung der Investitionen erzielt und weitergehend damit Arbeitsplätze in Deutschland gesichert werden.
Ein gutes Jahr später haben sich die erhofften Effekte noch nicht in einem spürbaren Ausmaß niedergeschlagen. Die Lage ist weiterhin bedenklich: Im Jahresmittel 2025 gingen die Unternehmensinvestitionen um 0,9% gegenüber dem Vorjahr zurück. Das absolute Investitionsvolumen liegt damit rund 8% unter dem Wert des Jahres 2019. Das Verhältnis von deutschen Unternehmensinvestitionen zum Bruttoinlandsprodukt ist mit ca. 11% auf einem historisch niedrigen Stand.
Für den in Deutschland so wichtigen Mittelstand kommt eine aktuelle Studie zu dem Schluss, dass die Investitionsbereitschaft der Unternehmen auf ein absolutes Tief seit 1995 gesunken ist. Demnach planen nur noch 52% der Unternehmen im kommenden Halbjahr, in den eigenen Betreib zu investieren. Eine Hinwendung zu Auslandsinvestitionen, als Alternative zum Exportangebot aus inländischen Investitionen, kann dabei nicht ausgeschlossen werden.
Vor dem Hintergrund treffen die mittelfristigen Auswirkungen des temporären Angebotsschocks des US-Iran-Kriegs die deutsche Konjunktur zur Unzeit. Anders als bis noch vor Kurzem von US-amerikanischer Seite erwartet, scheint der Konflikt kurzfristig nicht zu beenden zu sein. Zudem ist die zukünftige Bewirtschaftung der Straße von Hormus ungeklärt. Aktuell verstärken sich die Kriegshandlungen wieder, der Ölpreis ist immer noch deutlich höher als vor dem Krieg. Und selbst wenn der Konflikt beendet wird, wird es noch eine längere Zeit brauchen, bis sich Lieferketten und (Energie-)Versorgung normalisieren.
Realwirtschaftliche Wirkungen des Angebotsschocks
Die ökonomischen Auswirkungen des US-Iran-Krieges stellen einen klassischen temporären Angebotsschock dar, der auch die deutsche Volkswirtschaft trifft. Da davon auszugehen ist, dass dieser nicht langfristig andauern wird, erfahren die Wirtschaftssubjekte einen begrenzten negativen Vermögenseffekt. Zur Stabilisierung ihrer langfristigen Einkommenssituation versuchen sie, den temporären Einschlag über Auflösung von Sparanlagen und Mehrarbeit auszugleichen. Da das Güterangebot damit stärker als die Konsumnachfrage zurückgeht, entsteht ein Aufwärtsdruck auf den Realzinssatz. Dieser Effekt ist allerdings von eher geringerer Natur, da die Investitionsnachfrage deutlich zinssensitiver als die Konsumnachfrage reagiert und damit den wesentlichen Teil des gesamtwirtschaftlichen Nachfragerückgangs auffängt.
Ein gestiegener Ölpreis senkt dabei zusätzlich die Kapitalproduktivität der Volkswirtschaft. Dies schwächt die Investitionsnachfrage weiter. Ein Großteil des ökonomischen Angebotsschocks macht sich neben der Beeinflussung der Lieferketten an der Ressource Öl und dessen Charakter als Produktionsfaktor fest. Die höheren Beschaffungskosten führen zu einer weiteren Einschränkung der Produktion und damit des Güterangebotes, die Rentabilität energieintensiver Anlagen und ihre Marktwerte sinken.
Zusammen mit der bestehenden ökonomischen Unsicherheit über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung führt dies dazu, dass die Unternehmen selbst ihre Ersatzinvestitionen überdenken werden. Durch die gesunkene Kapitalproduktivität wird der Rückgang der volkswirtschaftlichen Gesamtnachfrage verstärkt, was zu einem leichten Abwärtsdruck beim Zinsniveau führt und den ursprünglichen Anreiz der Wirtschaftssubjekte zu Mehrarbeit wieder relativiert.
Insgesamt sinkt durch den Angebotsschock die Investitionsnachfrage stärker als das Güterangebot. All das sind schlechte Nachrichten für die deutsche Investitionsnachfrage.
Mehrfacher Inflationsdruck
Die Gesamtauswirkungen auf die Konsumnachfrage und den Realzinssatz sind nach dem temporären Angebotsschock mit einer Senkung der Kapitalproduktivität nicht eindeutig.
Ein tendenziell unveränderter oder nur gering steigender Realzins führt zusammen mit steigenden Inflationserwartungen und dem Angebotsrückgang zu einem Rückgang der Geldnachfrage und damit zu steigenden Inflationsraten. Dabei muss davon ausgegangen werden, dass bei Inflation die Investitionsnachfrage der Unternehmen weiter sinkt. Die steigenden Kosten der Vorprodukte machen die Produktion teurer. Die in den nominellen Kreditzinsen der Banken einkalkulierte erwartete Inflation macht die Investitionskredite teurer. Diese Verteuerung (zusammen mit einem kalkulatorischen Risikozuschlag) macht Investitionsprojekte der Unternehmen unrentabler, da bereits die erwartete Unsicherheit bezüglich der zukünftigen Preisentwicklung die Kalkulation der eigenen Produkte und Leistungen erschwert. Unter diesen Rahmenbedingungen werden sich Unternehmen nicht für höhere Investitionen entscheiden.
Diese Belastungen des Investitionsklimas durch eine steigende Inflation sind für Deutschland deswegen so schlimm, da die Eurozone bereits ohne den kriegsbedingten Inflationsauftrieb vor einer ansteigenden Inflationsrate stand.
Im Zuge der Bekämpfung der Staatsschuldenkrise hatte das Eurosystem zwischen 2015 und 2021 im großen Umfang Wertpapiere aufgekauft. Damals konnte eine Entkopplung von Preisniveausteigerungen und Geldmengenwachstum beobachtet werden. Seit Ende 2021 hat sich die Entwicklung der Inflationsrate wieder der Wachstumsrate der Geldmenge in der Eurozone angenähert. Seitdem ist der monetaristische Zusammenhang des Gleichlaufs zwischen der Entwicklung der Wachstumsrate der Geldmenge und der (zeitlich nachlaufenden) Inflationsrate wieder sichtbar.
Abbildung 1 zeigt die zeitliche Entwicklung zwischen der Wachstumsrate der Geldmenge M3 (definiert als breites Geldmengenaggregat, das sowohl lang- und kurzfristige Finanztitel bis hin zum Bargeld und täglich fällige Sichteinlagen umfasst) und der Inflationsrate im Euroraum. Um die Dauer der Transmission abzubilden, sind die die monatlichen Werte der Wachstumsrate der Geldmenge um 21 Monate verschoben.
Entwicklung M3 und Inflationsrate

Schätzt man den Zusammenhang zwischen Geldmengenwachstum und Inflationsrate für die vorliegenden monatlichen Ist-Daten von März 2021 bis März 2026 mittels einer Einfachregression, so ist der geschätzte Koeffizient hoch signifikant und kann anschließend für eine naive Prognose genutzt werden. Die daraus abgeleiteten Prognosewerte der Inflationsrate für den Zeitraum von April 2026 bis zum Jahresende 2027 (auf der Grundlage des bereits realisierten Geldmengenwachstums im Zeitraum von Juli 2024 bis März 2026) zeigen, dass danach bereits vor dem temporären Angebotsschock eine Inflationsrate von in der Spitze bis zu 4,4% p.a. zu erwarten war.
Der zusätzliche Inflationsdruck aufgrund des temporären Angebotsschocks sorgt direkt und durch die mit ihm verbundene Unsicherheit für eine weitere Beeinträchtigung der deutschen Investitionsnachfrage.
Konjunkturelle Lage bleibt herausfordernd
Die deutsche Konjunktur ist aktuell nicht auf einem Wachstumspfad. Die beschlossenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen greifen bisher nicht. Jetzt kommen noch die negativen Wirkungen des Angebotsschocks aus dem US-Iran-Krieg hinzu, die sich am wichtigen Produktionsfaktor Öl festmachen.
Hier ist, insbesondere in der deutschen Diskussion, Vorsicht vor einem vorschnellen Vorwurf der Verantwortung einer „fossilen Produktion“ geboten. Treiber der ökonomischen Effekte sind hohe Preise eines wichtigen Produktionsfaktors mit geringerer Nachfrageelastizität. Ein hohes Energiepreisniveau wird aber auch bei der Umsetzung der deutschen Energiewende mindestens mittelfristig zu beobachten sein.
Der Rückgang der Produktion und ein darüber hinaus gehender Rückgang der Bruttoinvestitionsnachfrage führt zusammen mit der sehr wahrscheinlich weiter ansteigenden Inflationsrate zu Stagflations-Tendenzen in Deutschland. Deren wirtschaftspolitische Bekämpfung ist herausfordernd, da Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung der konjunkturellen Entwicklung weiter schaden werden. Niedrig belassene Zinsen oder zögerliche Zinserhöhungsschritte sind dagegen regelmäßig nicht in der Lage, die Inflation und die Inflationserwartungen einzudämmen. Im gegenwärtigen Szenario kommt hinzu, dass die Inflationsrate bereits ohne die realwirtschaftlichen Impulse aus dem US-Iran-Krieg schon wieder im Aufwärtstrend war.
Die Herausforderung, Stagflations-Entwicklungen in den Euroländern zu verhindern, war möglicherweise ein Grund für den aus Sicht einer reinen Inflationsbekämpfung nicht ausreichenden Zinserhöhungsschritt des Eurosystems um 0,25% im letzten Juli. Die zur Darstellung der Preisniveaustabilität zukünftig notwendig werdenden weiteren Zinserhöhungen werden dagegen die schuldenbasierte Finanzierung der wirtschafts- und sicherheitspolitischen Agenden der großen europäischen Länder belasten oder sogar gefährden. Damit geraten weitergehend auch geplante staatliche Investitionen unter Druck.
Hinzu kommt die Belastung der europäischen Staatshaushalte, da die Zentralbanken des Euroraumes immer noch hohe Bestände verzinslicher Einlagen der Privatbanken aufweisen. Dies belastet das Zinsergebnis der Notenbanken und damit die Möglichkeit zukünftiger Gewinnabführungen an die jeweiligen Staatshaushalte.
Die ökonomischen Folgen des Angebotsschocks werden noch eine längere Zeit Einfluss auf die deutsche konjunkturelle Entwicklung nehmen. Die deutsche Wirtschaftspolitik muss unabhängig davon an den Standortfaktoren, dem Innovationspotenzial, der Kapital- und auch der Arbeitsproduktivität in Deutschland arbeiten, um in absehbarer Zeit wieder angemessene Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes realisieren zu können.
Zum Autor:
Thomas M. Treptow war bis Ende 2021 Professor an der Internationalen Berufsakademie (iba) in Nürnberg.







































