Analyse

Warum Europa trotz Aufschwung ökonomisch weiter auseinander driftet

Ordentliche Wachstumszahlen und eine Erholung auf dem Arbeitsmarkt – in Europa hat sich ein Aufschwungsoptimismus ausgebreitet. Dieser überdeckt jedoch die tieferliegende strukturelle Polarisierung zwischen den EU-Staaten, die ohne entschiedene Gegenmaßnahmen weiter voranschreiten wird, wie eine neue Studie zeigt.

Bild: Pixabay

Unter den meisten KommentatorInnen des wirtschaftlichen Geschehens in Europa gibt es inzwischen eine Art Konsens: Europa hat seine Krise hinter sich gelassen. Diese Erleichterung basiert vor allem darauf, dass es nach Jahren der Rezession und Stagnation in vielen europäischen Ländern wieder signifikantes Wirtschaftswachstum und eine rückläufige Arbeitslosigkeit gibt. Selbst der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, in den letzten Jahren ein kritischer Beobachter der wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa, stimmt in den Chor des europäischen Aufschwungsoptimismus ein:

„Es ist wichtig, sich darüber klar zu sein, dass Europa 2018 ganz anders aussieht als Europa 2013. Zumindest für den Moment ist Europa als funktionierendes wirtschaftliches System zurück.”

So erfreulich der aktuelle konjunkturelle Aufschwung in weiten Teilen Europas auch ist – er sollte nicht den Blick auf die tieferliegende strukturelle Polarisierung in der Europäischen Union verstellen, die weiterhin eine große Gefahr für den europäischen Zusammenhalt darstellt. Denn ungeachtet der, teils ohnehin stark vom außereuropäischen Ausland getriebenen, kurzfristigen konjunkturellen Entwicklung sieht Europa heute in struktureller Hinsicht ganz ähnlich aus wie im Jahr 2013.

Gerade das technologische Know-how, das die langfristige ökonomische Entwicklung maßgeblich bestimmt, ist unter den EU-Ländern weiterhin sehr ungleich verteilt. Grund dafür ist, unter anderem, auch die strukturelle Polarisierung unter den EU-Ländern, die sich auf unterschiedlichen ökonomischen Entwicklungspfaden befinden. Die weitere Vertiefung dieser Pfade steht im Widerspruch zum politischen Ziel eines stabilen und wirtschaftlich zusammenwachsenden Europas. Und dieser Polarisierungsprozess wird in der EU ungeachtet der kurz- und mittelfristigen Konjunkturentwicklung weiter voranschreiten, wenn in der Fiskal-, Finanzmarkt-, Lohn- und Industriepolitik keine koordinierten Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Pfadabhängige ökonomische Entwicklungsmodelle in der EU

Zu dieser Einschätzung kommen wir aufgrund einer aktuellen Studie, in der wir den Zusammenhang zwischen dem europäischen Integrationsprozess und bestehenden ökonomischen Polarisierungstendenzen in der EU beleuchten. Die europäische Integration bedeutet für die Mitgliedsländer eine gestiegene Offenheit im Handelsverkehr sowie an den Finanzmärkten.

Wir zeigen, dass die makroökonomische Entwicklung (gemessen an typischen Indikatoren wie Wirtschaftswachstum, Arbeitslosenquote, Investitionen, Leistungsbilanzsaldo etc.) in den EU-Ländern nicht einheitlich auf den Offenheitsschock der europäischen Integration reagiert hat. Analytisch lassen sich basierend auf ihrer Reaktion auf den Offenheitsschock der europäischen Integration vier strukturell unterschiedliche Ländergruppen charakterisieren: Kernländer, Peripherieländer, osteuropäische Länder und finanzialisierte Länder.

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