Künstliche Intelligenz

Europa wird nicht gewinnen, wenn es nur Silicon Valley imitieren will

Europa sollte sich auf die Entwicklung einer menschenzentrierten Technologie konzentrieren, die nicht von kurzsichtigen Quartalsrenditen bestimmt wird, sondern von gesellschaftlichen Bedürfnissen und der Steigerung des allgemeinen Wohlergehens. Ein Beitrag von Tato Khundadze & Willi Semmler.

Im Herbst 1830 zogen Landarbeiter in Südengland im Schutz der Nacht mit Hämmern gegen Dreschmaschinen vor und unterzeichneten ihre Warnungen mit einem gespenstischen Namen: „Captain Swing”. Für die vornehme Gesellschaft war es bequem, dies als Vandalismus abzutun, als bäuerlichen Aberglauben gegen den Fortschritt.

Mehr als ein Jahrhundert später zeichneten die Historiker Eric Hobsbawm und George Rudé in ihrem Werk Captain Swing ein klareres Bild. Swing war die politische Signatur von Arbeitern, die einer Maschine gegenüberstanden, welche nicht nur Getreide drosch, sondern ihnen gerade in dem Augenblick die Winterbeschäftigung entzog, in dem die Löhne bis an die Grenze des Existenzminimums gedrückt wurden. „Der wirkliche Name von King Ludd”, schrieben sie, war „… Swing”.

Zwei Jahrhunderte später sind die maschinenbasierten Innovationen von der Scheune ins Büro gewandert. Die alte Frage kehrt ohne romantische Verklärung zurück: Wessen Wohlstand wird automatisiert, wessen Unsicherheit wird vertieft, wer darf entscheiden und wer profitiert?

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