Bitcoin & Co.

Können die Kryptowährungen dem prüfenden Blick der Zentralbanken standhalten?

Die wachsende Popularität von Kryptowährungen beschäftigt längst auch Regulierungsbehörden und Zentralbanken – und letztlich entscheiden diese darüber, ob Bitcoin und Co. weiter an Bedeutung gewinnen oder einen natürlichen Tod sterben werden.

Foto: Pixabay

Die Zukunft des Geldes sieht in der Welt der Kryptowährungen sehr unterschiedlich aus. Es gibt einen wachsenden Konsens zwischen Unternehmen, Investoren und Ländern (insbesondere Venezuela), dass diese alternativen Formen des Online-Geldes im nächsten Jahrzehnt die Bezahlvorgänge dominieren werden. Es mag diesen Konsens hinsichtlich des Potenzials geben – aber es nach wie vor vollkommen offen, wie die Regulierungsbehörden und Zentralbanken darauf reagieren werden.

Der Marktwert aller insgesamt im Umlauf befindlichen Kryptowährungen erreichte Ende August 170 Milliarden US-Dollar. Laut Berechnungen von CoinMarketCap, einer Webseite für Kryptowährungspreise und Marktkapitalisierungen, sind das 850% mehr als zu Beginn des Jahres. Es ist kaum überraschend, dass ein solches Wachstum auch die Regulatoren und Zentralbanken beschäftigt, die immer noch unentschieden sind, in welche Assetklasse Kryptowährungen nun eigentlich eingeordnet werden sollten.

Auf den ersten Blick scheint dies eine etwas seltsame Diskussion zu sein. Aber eine der grundlegenden Funktionen einer Währung ist es, Transaktionen fristgerecht zu ermöglichen. Und um die Sicherheit der Blockchain (der Technologie hinter Kryptowährungen wie Bitcoin) zu schützen, ist der Prozess von Bitcoin-Transaktionen manchmal sehr langsam.

Wegen der Beschränkungen des Limits von Bitcoin-Transaktionen, die an einem Tag vollzogen werden können, kann es mehrere Tage dauern, um eine einzige Überweisung zu tätigen – womit die Kryptowährung manchmal nicht in der Lage ist, die Grundfunktion von Geld zu erfüllen. Private Blockchains können die Transaktionen beschleunigen, aber sie sind nicht sonderlich populär und ihre Verfügbarkeit ist begrenzt.

Geldsorgen

Die Forderung, Kryptowährungen besser zu regulieren, erhielt kürzlich einen Schub, nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Diskussionspapier veröffentlicht hatte, in dem dargelegt wurde, dass Banken in Erwägung ziehen sollten, in Kryptowährungen zu investieren:

Rapid advances in digital technology are transforming the financial services landscape, creating opportunities and challenges for consumers, service providers and regulators alike.

Jedwede großangelegte Adaption durch den Bankensektor würde sicherlich einen gewaltigen Markt für Kryptowährungen schaffen – aber der Wind weht nicht nur in eine Richtung. So erlitt der Krypto-Markt einen herben Rückschlag, als die chinesischen Zentralbank es Anfang September für illegal erklärte, Mittel durch sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs) aufzunehmen.

Ein ICO ist ein Werkzeug zur Beschaffung von Geldmitteln, bei dem zukünftige Krypto-Coins im Austausch für Kryptowährungen mit sofortigem, liquiden Wert gehandelt werden. Sie sind für Digitalwährungs-Geeks zu einer einfachen Plattform geworden, um sich schnell Mittel beschaffen zu können. Einfacher gesagt, sind ICOs eine Crowdfunding-Plattform für zukünftige Krypto-Coins. Mit ihnen wurden laut der Branchenwebseite Cryptocompare bereits 2,32 Milliarden US-Dollar aufgenommen.

China geht auch in der Breite strikter gegen die Kryptowährungen vor. Berichten zufolge könnte es den Handel mit virtuellen Währungen vollständig von seinen heimischen Börsen verbannen. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, würde mit Sicherheit der Enthusiasmus der Branche gebremst werden. Aber in Sachen Kryptowährungen scheinen dann doch immer wieder an der nächsten Ecke bessere Meldungen zu warten, und eine stärkere Aufsicht könnte durchaus jenes Vertrauen schaffen, das die Bedenken übertrifft.

So drängt das russische Finanzministerium darauf, die Verwendung von Kryptowährungen im Land bis Ende 2017 zu regulieren. Die russische Zentralbank arbeitet schon seit Anfang des Jahres an einem Regulierungsrahmen für Digitalwährungen. Der vielleicht größte Schub kam von Ökonomen der finnischen Notenbank, die die Infrastruktur hinter Kryptowährungen wie Bitcoin „revolutionär“ nannten und deren Fähigkeit lobten, Manipulierungen zu verhindern.

In Ländern wie Australien und Japan werden die Kryptowährungen ebenfalls gewürdigt. Beide Staaten führen einen Rechtsrahmen ein, um Börsen für Kryptowährungen zu legalisieren. Japan hat vorgeschrieben, dass Bitcoin-Börsen sich bei den Regulierungsbehörden registrieren und einer jährlichen Prüfung durch zertifizierte Rechnungsprüfer unterziehen müssen.

Singapurs Zentralbank stellte fest, dass die Funktion digitaler Jetons darüber hinausginge, einfach nur eine Digitalwährung zu sein, und machte gleichzeitig eine gewisse Aufsichtsfunktion geltend. Sie sagt, dass ICOs gemäß dem Securities and Futures Act von der Zentralbank anerkannt und genehmigt werden müssten. In den USA griff die Securities and Exchange Commission diesen Gedanken auf und kündigte an, dass ICOs als Sicherheiten reguliert werden und jedwede nicht registriertes Ausgabe Gegenstand einer Strafverfolgung sein könnte.

Zwei Optionen

Diese Art der wachsenden Akzeptanz – sehen wir von China einmal ab – ist eine Bestätigung der zunehmenden Popularität von Kryptowährungen als Finanzinstrumente. Mit Blick in die Zukunft haben die Regulatoren nun zwei Optionen.

Die erste besteht darin, dass sie striktere Systeme einführen um sicherzustellen, dass Transaktionen durch Kryptowährungen nicht in Verbindung mit Dark Net-Aktivitäten, Terrorfinanzierung oder Geldwäsche genutzt werden können. Alternativ dazu könnten die Zentralbanken anfangen, eigene Digitalwährungen auszugeben (bekannt als „Central Bank issued Digital Currency“, kurz: CBDC), die ebenfalls auf der Distributed Ledger Technology (DLT) basieren würden, die auch den existierenden Kryptowährungen zugrunde liegt. Somit bestünde die Möglichkeit, dass die CBDCs das Leistungsversprechen dieser Kryptowährungen zerstören könnten. Die Bank of England hat in dieser Diskussion eine Vorreiterrolle eingenommen, während ihre Kollegen in Kanada, Schweden und bei der Europäischen Zentralbank inzwischen alle die Umsetzbarkeit einer Einführung von digitalen Währungen analysieren.

Der schlimmste Fall für diesen immer noch jungen Markt wäre, wenn die Zentralbanken entschieden, den Handel oder Besitz von Kryptowährungen für illegal zu erklären

Die breite Diskussion ist ein Beleg für die Tatsache, dass sich die Zentralbanken ernsthaft mit den Kryptowährungen befassen und auf gewisse Weise mit ihrer wachsenden Popularität konkurrieren. Der schlimmste Fall für diesen immer noch jungen Markt wäre, wenn die Zentralbanken entschieden, den Handel oder Besitz von Kryptowährungen für illegal zu erklären. Natürlich wäre dies schwer durchzusetzen, da es keine Einzelorganisation oder -Person gibt, die die Kryptowährungen kontrolliert, und die Transaktionen werden auch nicht über eine zentrale Clearing-Stelle abgewickelt. Jedoch gibt es auch dafür einen Präzedenzfall:  1933 erklärte US-Präsident Theodore Roosevelt den Besitz von Goldbarren zu einer Straftat und verlangte von allen Amerikanern, ihren Goldbestand der Federal Reserve auszuhändigen.

Wenn dies auch hier geschieht, würde der Kryptowährungsmarkt einen natürlichen Tod sterben. Es liegt jetzt alles in den Händen der Zentralbanker. China hat einen kleinen Vorgeschmack auf eine schwierige Zukunft gegeben. Die Krypto-Evangelisten werden hoffen, dass andere Zentralbanken auch weiterhin einen kulanteren Pfad beschreiten.

 

Zum Autor:

Nafis Alam ist Associate Professor of Finance an der Henley Business School der University of Reading.

 

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Dieser Artikel wurde zuerst von The Conversation in englischer Sprache veröffentlicht und von der Makronom-Redaktion unter Zustimmung von The Conversation ins Deutsche übersetzt.The Conversation