Economists for Future

Klima gekippt?

Der Widerstand gegen die grüne Transformation wird oft darauf zurückgeführt, dass die Folgen für sozial Schwächere nicht ausreichend berücksichtigt würden. Entscheidend für die momentane politische Trendwende ist aber die Besitzstandswahrung der Wohlstandsmitte. Ein Beitrag von Dennis Eversberg und Matthias Schmelzer.

Unsere Gesellschaft befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Transformationsprozesses. Im Zentrum steht die Wirtschaft – und die Suche nach Wegen zur Nachhaltigkeit. Die nächsten Jahre werden entscheiden, inwiefern dieser Wandel by disaster geschieht oder uns by design gelingt.

Die Debattenreihe #econ4future widmet sich den damit verbundenen ökonomischen Herausforderungen und diskutiert mögliche Lösungsansätze. Die Beiträge analysieren Engführungen in den Wirtschaftswissenschaften und Leerstellen in der aktuellen Wirtschaftspolitik. Zugleich zeigen sie Orientierungspunkte für ein zukunftsfähiges Wirtschaften auf und geben Impulse für eine plurale Ökonomik, die sozial-ökologische Notwendigkeiten ernst nimmt.

Die Kooperation mit Economists for Future e.V. begann im September 2019. Seitdem erscheint jährlich eine neue Staffel mit wechselnden Themenschwerpunkten. Die siebte Ausgabe widmet sich der Frage, wie sich soziale Sicherheit im Spannungsfeld von Klimakrise und wirtschaftlicher Transformation neu denken lässt. Was braucht es aus ökonomischer Perspektive, um sozialer Spaltung sowie dem Erstarken autoritär-nationalistischer Tendenzen entgegenzuwirken? Und wie können Wohlfahrtsstaat, Eigentumsverhältnisse, Versorgungssysteme und Institutionen so gestaltet werden, dass demokratischer Zusammenhalt, ökologische Stabilität und ökonomische Resilienz gestärkt werden?

Den Auftakt zur neuen Staffel macht der folgende Beitrag. Alle bisher erschienenen Beiträge der Economists for Future-Reihe finden Sie hier.

Klimapolitik wird derzeit nicht bloß ausgegrenzt – sie wird angegriffen. Und das nicht nur, wenn sie als transformatives Projekt der Klimagerechtigkeit daherkommt, sondern auch als die ökologische Modernisierung, die vor kurzem noch Mainstream war.

Ein neues Schlachtfeld ist das Verbrenner-Aus ab 2035, das lange ein Kern des europäischen Green Deals war. Nicht nur AfD und Union fordern, das europäische Verbot aufzuweichen. Aktuell folgt auch die IG Metall argumentativ der Autolobby und verlangt flexiblere CO₂-Regeln, um Arbeitsplätze zu schützen. Das noch vor Amtsantritt der schwarz-roten Koalition beschlossene 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität scheint schon jetzt einerseits von der Inflation aufgefressen und andererseits auf dem Weg, in militärdienliche Bahnen und zur Bedienung alter Besitzstandsversprechen umgeleitet zu werden.

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