„Homo oeconomicus im Amt“

Eine verfrühte Kapitulation

Branko Milanović meint resignierend, dass wir uns schlicht an die große Kluft zwischen politischer Elite und Bevölkerung gewöhnen müssten. Doch ebenso wie frühere Ökonominnen und Ökonomen eine „neoliberale Revolution“ auf den Weg brachten, sollte heute auch eine andere Ökonomik möglich sein, mit der sich dieser Vertrauensverlust wieder beseitigen lässt. Eine Replik von Sebastian Thieme.

Bild: Pixabay

Es sind markige Worte, die Branko Milanović da wählt: In einem Meinungsbeitrag für das IPG-Journal diagnostiziert er eine schwere politische Krise, genauer eine „Vertrauenskrise in politische Institutionen und Regierungen“, die nicht erst mit der Banken- und Finanzkrise 2007/2008 begonnen habe, sondern weiter zurückreiche. Die „neoliberale Revolution der frühen 1980er Jahre“ sei laut Milanović auch mit „einer Revolution in den Wirtschaftswissenschaften“ verbunden gewesen: „Ansätze wie die Public-Choice-Theorie und der Libertarismus begannen, den politischen Raum explizit als Verlängerung der Wirtschaft zu behandeln.“

Die verschiedenen Korruptionsskandale in der Politik (z.B. Sarkozy, Kohl oder peruanische Präsidenten) lesen sich für ihn daher wie eine Bestätigung des „neoliberalen ‚ökonomischen Imperialismus‘“, also der „Idee, dass jedes menschliche Verhalten vom Drang nach materiellem Erfolg getrieben ist und dass unser gesellschaftlicher Wert von unserer Fähigkeit abhängt, Geld zu verdienen“. Diese „kapitalistische Logik“ wäre hierzu auf die Politik übertragen worden, woraus ein tiefes Misstrauen gegenüber Politik und Regierungen erwuchs. Aber wie lässt sich dieser Vertrauensverlust zurück gewinnen? Milanovićs Antwort ist einfach, provokativ und resignierend zugleich: Gar nicht, denn es gäbe schlicht keine realistische Lösungsmöglichkeit.

Spätestens hier stellen sich Fragen. Mehr noch, der Beitrag von Milanović zeigt ganz gut die Probleme, in denen die aktuelle Debatte um mehr Pluralismus in der Ökonomik und vielleicht sogar gesamtgesellschaftliche Diskurse stecken: Ein für die Plurale Ökonomik – und die Gesellschaft – relevantes Thema wird von bekannten Ökonomen aufgegriffen, aber nur halbherzig und dann noch auf eine Pointe endend, die jegliches Streben nach Alternativen in den Papierkorb wandern lässt.

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