Ethischer Welthandel

Tanzkleid statt Zwangsjacke

Die bestehende Welthandelsordnung scheitert an sozialen, ökologischen und geopolitischen Krisen. Es braucht ein neues pragmatisches Paradigma, dass die Handelspolitik in den Dienst von Frieden, Menschenrechten und nachhaltiger Entwicklung stellt. Ein Beitrag von Christian Felber, Brigitta Herrmann und Jürgen Knirsch.

Bild: Timelab Pro via Unsplash

Der wirtschaftspolitische Schwenk der Trump-Administration hat die internationale Handelsordnung in eine Krise gestürzt. Galten die USA bis vor kurzem noch als glühendster Verfechter des globalen „Freihandels“, so setzen sie unter Trump auf rekordverdächtig hohe Zölle, die sie auch als machtpolitisches Mittel einsetzen. Die Hüterin des freien Handels, die Welthandelsorganisation (WTO), wurde von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als „klinisch tot“ bezeichnet. Dennoch versucht die EU verzweifelt, am Freihandelsansatz festzuhalten. Parallel zur rhetorischen Unterstützung des WTO-Reformprozesses bemüht sie sich, vor allem bilaterale und plurilaterale Abkommen abzuschließen. Die wachsende globale Konkurrenz um Rohstoffe und die Vorherrschaft über Einflusssphären lässt zunehmend auch geopolitische Motive für handelspolitische Entscheidungen erkennen.

Keiner dieser Ansätze ist jedoch in der Lage, auf die ökologischen und sozialen Krisen zu reagieren, mit denen unser Planet und die Menschheit heute konfrontiert sind. Die aktuelle Situation bietet deshalb eine Gelegenheit, der Frage nachzugehen, welche internationale Handelsordnung eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, Menschen- und Arbeitsrechte, Umwelt- und Klimaschutz, Geschlechtergerechtigkeit, kulturelle Vielfalt und friedliche internationale Zusammenarbeit konsequent fördern könnte.

In einem peer-reviewten CBS Working Paper haben wir daher kürzlich einen Vorschlag für ein neues Paradigma in der internationalen Handelspolitik skizziert, das regelbasiert und multilateral mit den Werten und Zielen der UNO und der EU im Einklang steht: Der „ethische Welthandel“.

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