Economists for Future

Die wahren Konfliktlinien der Rentenpolitik

Die Rentenfrage verführt dazu, Debatten mit der Linse „Jung und Alt“ zu deuten. Dabei liegen die zentralen Konflikte woanders. Ein Beitrag von Camille Logeay und Florian Blank.

Unsere Gesellschaft befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Transformationsprozesses. Im Zentrum steht die Wirtschaft – und die Suche nach Wegen zur Nachhaltigkeit. Die nächsten Jahre werden entscheiden, inwiefern dieser Wandel by disaster geschieht oder uns by design gelingt.

Die Debattenreihe #econ4future widmet sich den damit verbundenen ökonomischen Herausforderungen und diskutiert mögliche Lösungsansätze. Die Beiträge analysieren Engführungen in den Wirtschaftswissenschaften und Leerstellen in der aktuellen Wirtschaftspolitik. Zugleich zeigen sie Orientierungspunkte für ein zukunftsfähiges Wirtschaften auf und geben Impulse für eine plurale Ökonomik, die sozial-ökologische Notwendigkeiten ernst nimmt.

Die Kooperation mit Economists for Future e.V. begann im September 2019. Seitdem erscheint jährlich eine neue Staffel mit wechselnden Themenschwerpunkten. Die siebte Ausgabe widmet sich der Frage, wie sich soziale Sicherheit im Spannungsfeld von Klimakrise und wirtschaftlicher Transformation neu denken lässt. Was braucht es aus ökonomischer Perspektive, um sozialer Spaltung sowie dem Erstarken autoritär-nationalistischer Tendenzen entgegenzuwirken? Und wie können Wohlfahrtsstaat, Eigentumsverhältnisse, Versorgungssysteme und Institutionen so gestaltet werden, dass demokratischer Zusammenhalt, ökologische Stabilität und ökonomische Resilienz gestärkt werden?

Alle bisher erschienenen Beiträge der Economists for Future-Reihe finden Sie hier.

Eins ist sicher in der Rentenpolitik: Die Debatten gehen weiter. Nach dem Scheitern des Rentenpakets II im vergangenen Jahr, das neben dem Generationenkapital auch eine über höhere Beiträge finanzierte Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48% bis 2039 bringen sollte („Haltelinie“), ist auch das neue Rentenpaket Ziel heftiger Kritik geworden. Dieses Rentenpaket 2025 beinhaltet ebenfalls eine Haltelinie, die allerdings nur bis 2031 gelten und aus Steuermitteln finanziert werden soll. Dazu kommen die „Mütterrente III“, arbeitsrechtliche Neuregelungen zur Einstellung von Rentner*innen (Aufhebung des sogenannten Anschlussverbots) und weitere eher technische Änderungen (Vereinfachung der Fortschreibungsregel beim Bundeszuschuss und Anhebung der Mindestrücklage).

Das Bundeskabinett hatte den Gesetzentwurf des Zweiten Betriebsrentenstärkungsgesetzes am 3. September 2025 beschlossen. Nachdem der Bundestag den Entwurf am 5. Dezember 2025 verabschiedet hatte, stimmte der Bundesrat abschließend am 19. Dezember 2025 zu. Weitere wichtige Rentengesetze sind zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten: das Rentenpaket 2025 und die Aktivrente. Außerdem hat das Bundeskabinett im Dezember eine grundlegende Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge sowie Eckpunkte für eine Frühstart-Rente beschlossen. Zudem hatte das Bundeskabinett der Einsetzung einer Alterssicherungskommission zugestimmt. Sie hat am 7. Januar 2026 ihre Arbeit aufgenommen und soll bis Mitte des Jahres Vorschläge für Reformen in der Alterssicherung vorlegen.

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