Das Problem mit dem Brutto

Wir rechnen uns zu reich

Es gibt nicht nur ein Bruttoinlandsprodukt, sondern auch ein Nettoinlandsprodukt. Und diese scheinbar technische Unterscheidung hat erhebliche Konsequenzen für die wirtschaftspolitische Debatte. Ein Beitrag von Alfons Weichenrieder.

Das Nettoinlandsprodukt (NIP) ergibt sich aus dem Bruttoinlandsprodukt (BIP), indem man die Abschreibungen auf den Kapitalstock abzieht. Diese Abschreibungen spiegeln den Wertverlust von Maschinen, Gebäuden, Infrastruktur oder immateriellen Investitionen wider. Sie sind notwendig, um den bestehenden Kapitalstock zu erhalten. Anders gesagt: Sie stehen nicht für Konsum, Löhne oder Gewinne zur Verfügung, ohne dass in die Substanz der Volkswirtschaft eingegriffen wird.

Damit ist das NIP ein besseres Maß für die Einkommen, die tatsächlich verteilt werden können. Nun könnte man argumentieren: Solange die Abschreibungen konstant einen festen Anteil am BIP ausmachen, ist es egal, ob man mit Brutto- oder Nettogrößen arbeitet – die Wachstumsraten wären identisch. Doch genau das ist nicht der Fall.

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