Unsere Gesellschaft befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Transformationsprozesses. Im Zentrum steht die Wirtschaft – und die Suche nach Wegen zur Nachhaltigkeit. Die nächsten Jahre werden entscheiden, inwiefern dieser Wandel by disaster geschieht oder uns by design gelingt.
Die Debattenreihe #econ4future widmet sich den damit verbundenen ökonomischen Herausforderungen und diskutiert mögliche Lösungsansätze. Die Beiträge analysieren Engführungen in den Wirtschaftswissenschaften und Leerstellen in der aktuellen Wirtschaftspolitik. Zugleich zeigen sie Orientierungspunkte für ein zukunftsfähiges Wirtschaften auf und geben Impulse für eine plurale Ökonomik, die sozial-ökologische Notwendigkeiten ernst nimmt. Die Kooperation mit Economists for Future e.V. begann im September 2019. Seitdem erscheint jährlich eine neue Staffel mit wechselnden Themenschwerpunkten.
Thema der mit dem folgenden Beitrag beginnenden aktuellen 8. Ausgabe ist die Frage: Wie lässt sich Vertrauen in Zeiten ökonomischer Umbrüche bewahren oder neu begründen? Die Beiträge versammeln unterschiedliche Perspektiven und Ansätze, die ökologische und soziale Krisen zusammendenken und danach fragen, welche Institutionen, Beziehungen und Formen wirtschaftlicher Organisation Orientierung und Verlässlichkeit schaffen können. Damit möchten wir zur Diskussion einladen, wie gesellschaftliche Handlungsfähigkeit, demokratischer Zusammenhalt und die Planbarkeit des eigenen Lebens auch unter Bedingungen tiefgreifender ökonomischer Umbrüche und vielfältiger, miteinander verflochtener Problemlagen gestärkt werden können.
Alle bisher erschienenen Beiträge der Economists for Future-Reihe finden Sie hier.
Die aktuellen Diskussionen über gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Entwicklungen finden ganz überwiegend im Krisenmodus statt. Gesellschaftliche Polarisierung, der Klimawandel, Digitalisierung und KI stellen alte Gewissheiten in Frage und adressieren weitreichenden Reformbedarf.
Die Gemeinsamkeit dieser und anderer Krisenfelder liegt darin, dass mögliche gemeinwohlorientierte Lösungen nicht einfach durch technologische Lösungen oder die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse erreicht werden können. So betonte die Fridays-for-Future-Bewegung lange, dass die Notwendigkeit der Klimapolitik wissenschaftlich klar gegeben sei, es sich hierbei nicht um ein Erkenntnisproblem, sondern „nur“ um ein Umsetzungsproblem handelt.
Der derzeitige klimapolitische Backlash verweist jedoch sehr deutlich darauf, dass dieser Ansatz zu kurz greift. Auch wenn manchmal die Erwartung geweckt wird, die Politik könne so schnell und zielgenau liefern wie Amazon, und ließe sich auch evaluieren wie ein Lieferservice, benötigen gesellschaftliche Reformprozesse vor allem Zeit und Vertrauen.
Vertrauen in das Preissystem
Allgemein wird Vertrauen als eine subjektive Überzeugung definiert, nach der ein Individuum sein Verhalten einrichtet. Aber auch wenn nach unserem Alltagsverständnis Vertrauen eine wesentliche Grundlage von Interaktionsbeziehungen ist, wird es in der Mikroökonomik weniger als subjektive Überzeugung, sondern eher als Eigenschaft von Institutionen betrachtet.
In einem perfekten Preissystem wettbewerblicher Märkte ist die Zahlungsbereitschaft eines Individuums für ein Gut Ausdruck seines Verzichtes, in den es im Tausch eintritt, wenn gleichzeitig ein anderes Individuum bereit ist, auf dieses Gut zu verzichten. Preise erfüllen barriere- und diskriminierungsfrei die wesentlichen Informations- und Koordinationsfunktionen für das Verhalten der Individuen. Vertrauen als zwischenmenschlicher oder moralischer Faktor ist in diesem Modell nicht explizit notwendig, um auf Märkten zu interagieren, sondern wird vor allem im Ordnungsrahmen der Märkte verankert – Begriffe wie Vertrauen oder Verantwortung werden zu „geronnenen“ Eigenschaften des Preissystems.
Auch die Neue Institutionenökonomik betrachtet Vertrauen als eine knappe, durch Institutionen unterstützte Ressource, die langfristige und verlässliche Austauschprozesse überhaupt erst effizient macht. Jemand, der die Regeln bricht, Verträge nicht einhält oder betrügt, wird vom Markt bestraft. In der BWL spiegelt sich dies in den (heute aus den Lehrbüchern weitgehend eliminierten) Tugenden des „ehrbaren Kaufmanns“: Kaufleute handeln integer, zuverlässig, langfristig orientiert und gehen fair und verantwortungsvoll mit Mitarbeitenden, Kunden, Lieferanten, Umwelt und Gesellschaft um. In der Literatur ist dies aus den „Buddenbrooks“ von Thomas Mann bekannt, wenn der Kaufmann seinen Sohn und Geschäftsnachfolger mahnt, nur solche Geschäfte zu machen, bei denen er nachts gut schlafen kann.
Intrinsische Motivation, extrinsische Anreize und Vertrauen
Der homo oeconomicus der neoklassischen Theorie ist nicht durch die Suche nach vertrauensvollen Beziehungen, sondern durch die Rationalität seines Eigennutzes geprägt. Die moderne Verhaltensökonomik räumt der Rolle von Vertrauen für die Gestaltung kooperativer Beziehungen jedoch einen größeren Raum ein. In vielen ökonomischen Experimenten (z.B. Trust Games) zeigt sich im Gegensatz zum Bild des homo oeconomicus, dass nicht-eigennütziges, kooperatives Verhalten in Form sozialer Präferenzen auch ohne direkte extrinsische Anreize existiert.
Die experimentalökonomischen Forschungsfragen richten sich darauf, was Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit motiviert, und wie sich andere Faktoren (z.B. Institutionen, Risiko und Kultur) darauf auswirken. Zentrale Befunde weisen etwa darauf hin, dass wiederholte Interaktionen, Kommunikation und Reputationssysteme Vertrauen und Kooperation auf Märkten unterstützen. Abweichendes oder vertragsbrüchiges Verhalten wird hingegen bestraft. Vertrauen als Bedingung für Kooperation wird jedoch in der Regel aus der Perspektive der instrumentellen Rationalität betrachtet: Vertrauen und Kooperation sind vorteilhaft, wenn es meinen Zwecken dient.
Ob damit vollständig erfasst wird, was Vertrauen eigentlich ist, und welche Rolle es in unseren realen sozialen Interaktionen spielt, ist unklar. Genau diese nutzentheoretische, instrumentell-rationale Interpretation von Vertrauen und Kooperation hat Amartya Sen 1977 in einem berühmten Aufsatz als Kennzeichen von „rational fools“ charakterisiert, denen ein Handeln ohne jede Vorteilsabsicht oder gar ein Handeln aus Pflicht fremd ist.
Allerdings zeigt die Verhaltensökonomik auch, dass extrinsische Anreizsteuerung kontraproduktiv wirken kann, wenn Individuen eigentlich aus intrinsischer Motivation handeln wollen. Sanktionen oder Kontrollmechanismen können dann zu Effizienzverlusten führen. Anschaulich lässt sich dies etwa an der anreizorientierten Steuerungsphilosophie des New Public Management zeigen. Beschäftigte im Hochschulsystem erleben das in Form von kennzahlenorientierten Zielvereinbarungen. Aufgrund fehlenden Vertrauens in die intrinsische Motivation zu guter wissenschaftlicher Arbeit werden wettbewerbliche Anreize an messbare Zielgrößen wie Publikationen oder Drittmittel gekoppelt. Eine solche Steuerung führt jedoch regelmäßig dazu, dass das Engagement für weniger messbare Aufgaben wie akademische Selbstverwaltung oder Studierendenbetreuung zurücktritt und ganze Universitäten ihre strategischen Planungsprozesse auf Potemkinsche Kennzahlen-Dörfer ausrichten.
Vertrauen und Staat
Auf makroökonomischer Ebene ist Vertrauen in eine verlässliche und stetige Wirtschaftspolitik wichtig für unternehmerische Investitionsentscheidungen. Vertrauen in die Fähigkeit der Zentralbank, die Geldwertstabilität zu garantieren, ist ebenfalls zentral: Sobald auch nur eine Minderheit zu der Ansicht gelangt, dass das Geld seinen Wert verliert, droht ein realwirtschaftlicher Zusammenbruch.
Die ökonomische Theorie weist der Wirtschaftspolitik die Aufgabe zu, die Funktionsfähigkeit des Preismechanismus und die Stabilität des Ordnungsrahmens zu sichern. Zudem wird der Staat auf eine weitere Art zum Vertrauensanker, da er in bestimmten Fällen eine Art „Reparaturfunktion“ übernehmen soll: Der erste Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik besagt vereinfacht, dass jedes Wettbewerbsgleichgewicht, das sich anhand des Preissystems bildet, das Kriterium der Pareto-Optimalität erfüllt.
Ein aktiver Staat wird jedoch dort notwendig, wo der Markt versagt, weil er keine effiziente Allokation herbeiführen kann (z.B. bei externen Effekten oder öffentlichen Gütern). Allerdings stellt dieser Marktversagensbefund nach Ansicht vieler Ökonom:innen keinen Freifahrtschein für einen aktiven Staat dar. Insbesondere politökonomische Ansätze betonen vielmehr die Gefahr des Staatsversagens, da auch staatliche Akteure eigene Interessen verfolgen – etwa wenn Behörden ihre Budgets ausweiten wollen oder Wähler:innen die tatsächlichen Kosten staatlicher Leistungen unterschätzen – und damit nicht automatisch im Sinne des Gemeinwohls handeln. Der Staat wird zur Stabilisierung des Vertrauens der Marktteilnehmer:innen gebraucht, seinen kollektiv handelnden Akteuren aber zugleich misstraut.
Verteilungsfragen und Vertrauen
Die Standardökonomik kann in Bezug auf das Effizienzziel und die Funktionsweise des Preissystems vergleichsweise präzise Aussagen treffen. Vorstellungen darüber, wie eine gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen aussehen sollte, verweist sie dagegen weitgehend in den Bereich subjektiver Werturteile.
Eine indirekte Möglichkeit zur „Versöhnung“ von Effizienz und Verteilung eröffnet jedoch eine weitere universale Effizienzeigenschaft des Preissystems, die im zweiten Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik formuliert ist. Die Ziele einer möglichst effizienten Ressourcenallokation und einer möglichst gerechten Einkommensverteilung können potenziell unabhängig voneinander verfolgt werden, da der Preismechanismus in der Lage ist, jede denkbare Anfangsallokation in ein effizientes Marktgleichgewicht zu überführen. Will man die Gerechtigkeit der Verteilung ohne Effizienzeinbußen erhöhen, muss „lediglich“ dafür gesorgt werden, dass die Anfangsallokation als wettbewerbliche Startpositionen aller Individuen (z.B. über Bildungspolitik) möglichst gerecht ist.
Überspitzt formuliert: Hier wird Vertrauen beim Austausch von Idealen angeboten. Wenn die Gesellschaft dem Preissystem und dem Effizienzbegriff vertraut, ist die Ökonomik bereit, normative Gerechtigkeitskonzeptionen zumindest als exogene Ziele zu berücksichtigen – allerdings nur, solange diese Maßnahmen den Markt nicht stören und zu Effizienzverlusten führen.
Dahinter steht die Vorstellung einer wertfreien Ökonomik, die zwischen gegebenen normativen Zielen und wissenschaftlich überprüfbaren Mitteln trennt. In der Klimapolitik erscheinen etwa Technologie- oder Sektorziele sowie Vorschläge zur Änderung von Konsummustern weiten Teilen der Umweltökonomik als geradezu unwissenschaftliche Verschwendung, weil die CO₂-Bepreisung oder der gesamtwirtschaftliche Emissionshandel das effizienteste Mittel zur Erreichung eines wie auch immer gegebenen Klimazieles seien. Nicht die Politik (und ihre Interessen), sondern der Markt sollte darüber entscheiden, wer wann wo und mit welcher Technologie in Klimaschutz investiert. Sozialen Härten könnte dann gegebenenfalls durch eine kompensierende Verteilungspolitik entgegengewirkt werden.
Allerdings ist auch die Ökonomik kein monolithischer Block. So hat beispielsweise Gunnar Myrdal als Anhänger eines aktiven, planenden Wohlfahrtsstaats frühzeitig die Vorstellung einer wertfreien Mittelwahl in der Wirtschaftspolitik als Fiktion verworfen.
Misstrauen gegenüber kollektiven Entscheidungsprozessen
Das Vertrauen der ökonomischen Theorie in individuelle Rationalität hat eine weitere Kehrseite für Fragen der politischen Gestaltbarkeit unserer Gesellschaft: Skepsis gegenüber kollektivem Entscheiden. Das von Kenneth Arrow mit Mitteln der mathematischen Logik entwickelte Unmöglichkeitstheorem besagt, dass sich bei konfligierenden Interessen der Individuen keine kollektive Entscheidungsregel (z.B. Mehrheitsentscheidungen) formulieren lässt, die zugleich bestimmte plausible Rationalitäts- und ethische Minimalanforderungen erfüllt (etwa, dass keine einzelne Person mit ihren Präferenzen stets das Ergebnis bestimmt). Zudem verweist ein breiter Literaturstrang auf die Manipulationsanfälligkeit kollektiver Entscheidungsregeln. Kollektiven Entscheidungen haftet damit formal eine logisch nicht überwindbare Irrationalität an.
Auch wenn es in der Literatur zu Social Choice seit den 1950er Jahren eine fruchtbare Diskussion um mögliche Auflösungen des Unmöglichkeitsparadoxons gegeben hat, hat sich in der ökonomischen Literatur ein Zweifel an der kollektiven Rationalität demokratischer Prozesse etabliert, die auf das wirklich Nötigste beschränkt werden sollen. Befeuert wurde diese Einschätzung durch die Zweifel an der Gemeinwohlorientierung politisch handelnder Akteure, die die politökonomische Literatur der 1970er Jahre prägten.
Ökonomische Gemeinwohlkonzeptionen, wie sie etwa von Amartya Sen oder John Rawls entwickelt wurden und die über die Vorstellung „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist schon an alle gedacht“ hinausgehen, basieren auf Modellen kollektiver Entscheidungen, stehen aber häufig unter Paternalismusverdacht. Es ist kein Zufall, dass neoliberale Denker wie Milton Friedman und Friedrich A. Hayek mit autoritären Regimen sympathisierten, weil sie darauf vertrauten, dass diese die ökonomischen Freiheiten besser schützen würden als Mehrheitsdemokratien.
Die Vertrauenswende eines progressiven Kapitalismus: Mehr Wir und weniger Dogma
Wenn wir die Vorstellung akzeptieren, dass Individuen in kollektiven Belangen systematisch ihren eigenen Vorteil suchen und dass ökonomische Zusammenhänge aus wissenschaftlicher Sicht auf instrumentell rationale Effizienzfragen zu reduzieren sind, gibt es kaum Grund zur Hoffnung, dass wir in der Lage sind, gesellschaftliche Probleme wie den Klimawandel oder Verteilungsprobleme zu lösen. Jenseits des standardökonomischen Mainstreams gab es jedoch immer bedeutende Stimmen, die der Gesellschaft und ihren Individuen mehr zutrauen als die Hoffnung auf materielles Wachstum, aus dessen Überschuss alle weiteren sozialen, ökologischen und ökonomischen Probleme gelöst werden können.
Das beginnt bereits beim Menschenbild, mit dem unsere Wissenschaft arbeitet. Ökonomen wie Amartya Sen oder Joseph Stiglitz halten die Annahme egoistischer nutzenmaximierender Individuen und effizienter Märkte als Bezugsgröße und Maß für gesellschaftliche Entwicklung für überholt und haben Alternativen entwickelt, die – wie etwa der Ansatz der capabilities – unter Freiheit mehr verstehen als formale Wahlfreiheit auf Märkten. Individuelle Freiheit zur Führung eines selbstbestimmten Lebens und Gerechtigkeit werden hier eng verbunden. Freiheit setzt voraus, dass alle Individuen einen gerechten Zugang zu Bildung, Gesundheit, materieller Absicherung und politischer Stimme haben.
Niemand behauptet, dass es einfach sei, über die dafür notwendigen gesellschaftlichen Institutionen und Entscheidungen Konsens zu erzielen. Kontrakttheoretische Konzeptionen (wie bei John Rawls) oder die Vorstellung eines fiktiven unparteiischen Zuschauers (wie bei Adam Smith) können hier allenfalls eine Orientierung bei der Herstellung von Vertrauen im politischen Diskurs geben. Doch bereits Adam Smith ging in seiner Analyse gesellschaftlicher Zusammenhänge weit über reine Egoismusbefunde hinaus und vertrat die Ansicht, dass die Menschen ihre Pflichten beim Zusammenleben erkennen würden und dass die Gesellschaft „in nichts zerfallen würde, wenn den Menschen nicht im Allgemeinen die Achtung vor jenen wichtigen Gesetzen des Verhaltens im Innersten eingeprägt wäre“ (Theorie der ethischen Gefühle, S. 260).
Um unsere Probleme zu lösen, brauchen wir somit nicht weniger, sondern mehr kollektives Handeln in allen Facetten von Partizipation und Teilhabe. Wir sollten es beispielsweise nicht den Marktgesetzen und der Profitabilität von Plattformen und Algorithmen überlassen, darüber zu entscheiden, wie wir mit unseren Daten umgehen, ob wir uns gegenseitig wahrhaftig und mit Würde behandeln und wie wir unser Zusammenleben gestalten wollen. Notwendig ist auch ein Verständnis von Staat und Politik, das über einen reinen Korrekturbetrieb bei Marktversagen hinausgeht.
Entsprechende Vorschläge gibt es in der ökonomischen Theorie viele:
- Dani Rodrik betont beispielsweise, dass Gesellschaften, die sich Handel und Globalisierung zuwenden, gleichzeitig in einen starken Staat mit Umverteilung, aktiver Sozial- und Bildungspolitik investieren sollten.
- Daron Acemoglu warnt vor Marktvertrauen und Technodeterminismus, weil Märkte Innovationen nicht automatisch in gesellschaftlich wünschenswerte Bahnen, sondern in Richtung privat rentabler Anwendungen lenken. Historisch brachten große Innovationsschübe breite Wohlstandsgewinne nur dann, wenn öffentliche Institutionen die Richtung der Technikgestaltung beeinflussten. Ähnlich wie Mariana Mazzucato plädiert er für eine aktive, richtungsgebende Forschungs- und Industriepolitik.
- Joseph Stiglitz schlägt das Modell eines progressiven Kapitalismus vor und versteht darunter eine dezentrale Wirtschaft mit einem reichhaltigen institutionellen Ökosystem, das auf die Eindämmung politischer Machtkonzentration und partizipative Politikgestaltung abstellt.
- Elinor Ostrom hat die Erfolgsbedingungen hybrider regionaler Governance-Modelle bei Gemeingütern erforscht, bei denen die Standardökonomik ihr Heil in Privatisierung, Haftungsrecht oder marktwirtschaftlichem Quotenhandel sieht.
- Auch in der Praxis gibt es ambitionierte Überlegungen, etwa im Bereich der Circular Economy oder den auf partizipativen Ansätzen der Gemeinwohlbilanzierung beruhenden Aktivitäten der Gemeinwohlökonomie-Bewegung von Christian Felber.
Bei allen Divergenzen gibt es doch einen gemeinsamen Nenner: Vertrauen ist nicht voraussetzungslos, aber es ist Kompass und Ressource eines gemeinsamen Suchprozesses nach den Strukturen einer Gesellschaft, in der wir leben wollen.
Zum Autor:
Roland Menges ist seit 2010 Inhaber der Professur Volkswirtschaftslehre, insbes. Makroökonomik an der TU Clausthal. Sein Forschungshintergrund liegt im Bereich der Verhaltensökonomik und der Energie- und Umweltökonomik. Er ist gemeinsam mit Michael Thiede Autor des Buches Die Ökonomie des Gemeinwohls.








































