Neue Serie

Warum Boden als öffentliche Infrastruktur betrachtet werden kann – und sollte

Wer Boden lediglich als Ware oder Kapitalanlage betrachtet, verkennt seine gesellschaftliche Funktion. Eine neue Serie widmet sich der Frage, warum Boden als öffentliche Infrastruktur verstanden werden sollte und was das für die wirtschaftspolitische Debatte bedeutet.

Boden ist eine zentrale Grundlage wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlichen Wohlergehens, spielt im ökonomischen Diskurs heutzutage jedoch meist nur eine Nebenrolle. Dabei wirft die endliche Ressource Boden zentrale Fragen einer verlässlichen Grundversorgung innerhalb planetarer Grenzen auf: von Wohnen, Energie und Mobilität bis hin zu Industrie, Landwirtschaft, Erholungsräumen und ökologischen Funktionen.

Die Sonderreihe „Boden als öffentliche Infrastruktur“ widmet sich diesen Zusammenhängen aus unterschiedlichen Perspektiven. In fünf Beiträgen geht sie der Frage nach, was es heißt, Boden als öffentliche Infrastruktur neu zu denken und welche Konsequenzen sich daraus für eine zeitgemäße Bodenpolitik und die ökonomische Debatte ergeben. Sie behandelt Fragen der Bodengerechtigkeit, der Demokratisierung urbaner Bodenbeziehungen, der Rolle von Bodenrenten und Bodenwerten für Infrastrukturen sowie des Flächensparens, dessen Relevanz weit über ökologische Zielsetzungen hinausgeht. 

Die Reihe wird von Economists for Future gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Alltagsökonomie kuratiert und erscheint in Kooperation mit dem Makronom. Gefördert wird sie von der Heidehof Stiftung. Den Auftakt macht der folgende Beitrag.

Boden ist neben Arbeit und Kapital einer der drei volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren – und zugleich der am stärksten vernachlässigte. Im Unterschied zu Arbeit und Kapital weist Boden grundlegende Besonderheiten auf: Er ist nicht substituierbar, denn jede menschliche Existenz und Tätigkeit erfordert Boden. Er ist eine unserer wesentlichen natürlichen Lebensgrundlagen und – anders als Kapital oder Arbeit – nicht vermehrbar; eine Angebotselastizität ist praktisch inexistent. Der wirtschaftliche Wert des Bodens wird stark durch Lage und Erreichbarkeit geprägt. Knappe Flächen an begehrten Lagen reagieren aufsteigende Nachfrage mit überproportionalen Preissteigerungen. Hinzu kommen regelmässige Nutzungskonkurrenzen und -konflikte. Der Multifunktionscharakter des Bodens prägt auch sein ökonomisches Wertpotenzial.

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