Seit geraumer Zeit versucht Donald Trump, die US-Notenbank zu Leitzinssenkungen zu drängen. Dafür gibt es drei zentrale Motive:
Abbau des US-Handelsdefizits: Niedrigere Zinsen in den USA machen es für internationale Anleger weniger attraktiv, zinstragende US-Wertpapiere zu erwerben. Dadurch geht die Nachfrage nach Dollar an den Devisenmärkten zurück. Die Folge ist eine Abwertung des Dollars. Sie verbilligt amerikanische Produkte im Rest der Welt und erhöht so die US-Exporte und verringert die Importe, weil ausländische Währungen spiegelbildlich aufwerten, was den Erwerb von Produkten aus dem Ausland in den USA verteuert.
Stärkung des Wirtschaftswachstums: Sinkende Zinsen erhöhen die Investitionstätigkeiten in den USA. Zudem ist mit einem Anstieg kreditfinanzierter Konsumgüterkäufe zu rechnen. Schließlich steigert die zinsinduzierte Abwertung des Dollars die Exportgüternachfrage. Die US-Unternehmen passen sich an die höhere Nachfrage an. So steigen in den USA Produktion und Beschäftigung.
Reduzierung der staatlichen Zinslast: Ein zentraler Baustein der Trumpschen Wirtschaftspolitik sind massive Steuersenkungen. Das führt zu sinkenden Staatseinnahmen. Auch wenn Trump hofft, dass Importzölle und Senkungen der Staatsausgaben diese Einnahmeausfälle kompensieren, wird diese Hoffnung aller Voraussicht nach nicht erfüllt. Die ohnehin schon hohe Staatsverschuldung wird daher in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Um den damit einhergehenden Anstieg der staatlichen Zinsausgaben abzumildern, wären niedrigere Zinsen hilfreich.
Kann Trumps Strategie aufgehen?
Die Erfolgsaussichten der aktuellen wirtschaftspolitischen Strategie der US-Regierung sind begrenzt. Grund dafür sind die Nebeneffekte dieser Politik.
Der Anstieg der Nachfrage nach Investitions-, Konsum- und Exportgütern kann nachfrageseitig durchaus einen Wachstumsimpuls auslösen. Allerdings ist zu erwarten, dass die Produktionskapazitäten der USA nicht schnell genug an die höhere Nachfrage angepasst werden. Wenn gleichzeitig die Importe reduziert werden, kommt es an den Gütermärkten zu Nachfrageüberhängen, die zu steigenden Güterpreisen führen. Das lässt die Inflationsrate in den USA steigen. Außerdem wird die Abwertung des Dollars einen Anstieg der Importpreise bewirken, was das gesamtwirtschaftliche Preisniveau ebenfalls erhöht.
Schließlich sind die Preiserhöhungen zu berücksichtigen, die sich aus der US-Zollpolitik ergeben. Werden weiterhin Produkte importiert, führen darauf erhobene Importzölle direkt zu steigenden Güterpreisen. Sollten die Nachfrager auf amerikanische Substitute ausweichen, führt auch das zu steigenden Preisen – diese Substitute wurden bisher nicht nachgefragt, weil sie teurer waren als ausländische Konkurrenzprodukte.
Der Anstieg der Inflationsrate schwächt die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Unternehmen. Die Folge: Die Exporte der USA gehen zurück, die Importe nehmen zu – und das Ziel, das US-Handelsbilanzdefizit abzubauen, wird konterkariert.
Auch die übrigen Ziele dürften kaum erreichbar sein. Grund dafür ist vor allem die Gefahr einer Inflations-Abwertungs-Spirale (siehe Abb. 1):
- Eine höhere Inflationsrate führt zu sinkenden Exporten und steigenden Importen.
- Sinkende US-Exporte haben zur Folge, dass an den Devisenmärkten weniger Dollar nachgefragt werden. Das führt zu einer weiteren Abwertung des Dollars.
- Die Dollarabwertung erhöht die Preise für importierte Güter. Die damit einhergehenden steigenden Importgüterpreise bewirken einen Anstieg der US-Inflationsrate, was die US-Exporte weiter sinken und die Importe steigen lässt.
Eine solche Inflations-Abwertungs-Spirale bedroht auch die Erreichung der übrigen wirtschaftspolitischen Ziele. Sinkende Exporte und steigende Importe schwächen die gesamtwirtschaftliche Güternachfrage in den USA. Bei einer nachlassenden preislichen Wettbewerbsfähigkeit geht die Rentabilität von unternehmerischen Investitionen zurück. Insgesamt schwächt dies das Wirtschaftswachstum – und damit auch die staatliche Einnahmebasis, was für sich genommen zu höheren staatlichen Schulden führt.
Was ist „populistische“ Wirtschaftspolitik?
Hinzu kommt, dass der Druck auf die Fed nur ein Baustein einer zunehmend populistischen Wirtschaftspolitik ist, die in der Vergangenheit oftmals verheerenden Konsequenzen hatte. Zentrales Ziel einer populistischen Wirtschaftspolitik ist es, die Güterversorgung der heimischen Bevölkerung zu verbessern und die damit verbundenen Kosten anderen aufzubürden. Das können die nachfolgenden Generationen sein, die die Schulden dieser Wirtschaftspolitik bezahlen müssen. Es kann auch das Ausland sein, das z.B. unter den Zöllen des Inlands leidet.
Die bisher am besten dokumentierten Erfahrungen mit einer populistischen Wirtschaftspolitik beziehen sich auf lateinamerikanische Länder wie Peru, Chile, Brasilien, Argentinien, Mexiko und Nicaragua in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren. Rüdiger Dornbusch und Sebastian Edwards haben in ihren Arbeiten zu diesem Thema vier Phasen einer populistischen Wirtschaftspolitik identifiziert (siehe Abb. 2). In vielen der südamerikanischen Volkswirtschaften endete diese Politik mit einem wirtschaftlichen Kollaps.
Eine 2023 veröffentlichte Studie identifizierte zwischen 1900 und 2020 rund 50 Fälle mit populistischen Regierungen und analysierte deren Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. Neben den südamerikanischen Volkswirtschaften werden hier auch Regierungsphasen in Ländern wie Italien, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Japan und den USA berücksichtigt.
Im Durchschnitt aller Fälle haben populistische Regierungen zur Folge, dass das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt 15 Jahre nach der Regierungsübernahme 10% niedriger ausfällt als in einem kontrafaktischen Szenario, in dem es keine populistische Regierung gegeben hätte. Zudem kommt es zu höheren Inflationsraten, steigenden Staatsschulden und einem Rückgang der außenwirtschaftlichen Beziehungen.
Wo stehen die USA?
Die Wirtschaftspolitik der USA weist bereits eine Reihe von Merkmalen einer populistischen Wirtschaftspolitik auf – Steuersenkungen, eine steigende Staatsverschuldung und ein nach wie vor hohes Leistungsbilanzdefizit (siehe Abb. 3).
Die aktuelle Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung ist also bestenfalls ein kurzfristiges konjunkturelles Strohfeuer, das die Staats- und Auslandsverschulden weiter steigen lässt und den Inflationsdruck erhöht. Ein wirtschaftlicher Zusammenbruch wie in den südamerikanischen Volkswirtschaften ist jedoch nicht zu erwarten. Grund dafür ist vor allem ein wirtschaftspolitischer Trumpf – der US-Dollar.
Ein zentraler Grund für den wirtschaftlichen Zusammenbruch südamerikanischer Volkswirtschaften war der Umstand, dass die internationalen Kapitalgeber früher oder später das Vertrauen in die Stabilität der Währungen dieser Länder verloren. Das hat weitreichende Konsequenzen:
- Falls eine dauerhafte Abwertung erwartet wird, kann sich das Land nicht mehr in der eigenen Währung verschulden. Die internationalen Kapitalgeber kaufen Staats- und Unternehmensanleihen nur noch, wenn diese in harten Währungen – also beispielsweise Dollar, Euro und Schweizer Franken – ausgegeben werden.
- Wenn sich ein Land nicht mehr in der eigenen Währung verschulden kann, sinkt die Nachfrage nach der eigenen Währung an den Devisenmärkten.
- Der steigende Abwertungsdruck beschleunigt den Anstieg der Preise für importierte Güter. Die Inflationsrate steigt immer schneller, es kommt zu einer Hyperinflation. Die Folge ist eine Kapitalflucht.
Solange der US-Dollar weiter die einzige Weltwährung ist, werden die USA Staats- und Unternehmensanleihen in heimischer Währung emittieren können. Das verhindert eine deutliche Dollar-Abwertung und einen abwertungsinduzierten Anstieg der US-Inflationsrate. Auch eine massive Kapitalflucht und ein Staatsbankrott sind nicht zu erwarten.
Wie geht es weiter?
Auch wenn ein wirtschaftlicher Zusammenbruch als Folge der populistischen US-Wirtschaftspolitik (noch) nicht zu befürchten ist, sind mit dieser Politik einige Risiken für die Weltwirtschaft verbunden:
- Wenn wegen der Trumpschen Wirtschaftspolitik mit einer weiteren Abwertung des US-Dollars zu rechnen ist, werden ausländische Kapitalgeber eine Risikoprämie für den Kauf amerikanischer Anleihen verlangen. Das erhöht in den USA das Zinsniveau und dämpft so nachfrageseitig das Wirtschaftswachstum.
- Sollten die Zinsen in den USA zukünftig trotz des steigenden Inflationsdrucks niedrig bleiben, würde das die Inflation in den USA und die Abwertung des Dollars forcieren. Für Volkswirtschaften außerhalb der USA bedeutet dies eine Aufwertung ihrer Währungen, die die Exportchancen der heimischen Unternehmen reduziert.
- Zur Verringerung der Zinsdifferenzen könnte es auch außerhalb der USA zu Leitzinssenkungen kommen. Das würde jedoch den Inflationsdruck in diesen Ländern erhöhen. So könnten sich die Inflationstendenzen in den USA weltweit ausbreiten.
- Da die US-Wirtschaftspolitik das amerikanische Handels- bzw. Leistungsbilanzdefizit erhöhen dürfte, ist mit weiteren protektionistischen Maßnahmen seitens der US-Regierung zu rechnen. Das schwächt den internationalen Handel weiter.
- Denkbar sind zudem Subventionen, also Finanzhilfen und Steuererleichterungen, für amerikanische Unternehmen. Das würde die internationale Wettbewerbsfähigkeit der USA zulasten des Rests der Welt verbessern.
- Speziell mit Blick auf China ist davon auszugehen, dass China die Produkte, die es zukünftig nicht mehr in den USA verkaufen kann, verstärkt in Europa anbietet – notfalls auch zu subventionierten Preisen, die unter den Produktionskosten liegen. Dadurch werden europäische Unternehmen zusätzlich unter Druck gesetzt.
Ausblick
Die zunehmend populistische Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung hat über die Abwertung des Dollars, die höheren Inflationsraten und die zu erwartenden zusätzlichen protektionistischen Maßnahmen negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.
Ein wirtschaftlicher Absturz ist für die US-Wirtschaft vorerst nicht zu erwarten. Das würde sich erst ändern, wenn die internationalen Kapitalmärkte das Vertrauen in den Dollar verlieren und er damit seinen Status als Weltwährung einbüßen würde.
Es ist jedoch zu hoffen, dass die Fed trotz der Einflussnahme von Trump so viel Weitsicht besitzt, dass sie dies verhindert und durch Leitzinserhöhungen dafür sorgt, dass zu starke Preisniveausteigerungen und damit verbundene Abwertungstendenzen verhindert werden. Ob und wie groß der Widerstand innerhalb der mächtigsten Zentralbank der Welt tatsächlich ist, dürfte sich schon bald herausstellen: Ende Mai endet die Amtszeit des derzeitigen Fed-Chefs Jerome Powell, der Trumps Angriffen bisher die Stirn geboten hat.
Zum Autor:
Thieß Petersen ist Senior Advisor der Bertelsmann Stiftung und Autor volkswirtschaftlicher Lehrbücher.










































