Ukraine-Krieg

Wie man die Auswirkungen eines Gasembargos nicht berechnen sollte

In einer viel beachteten Studie ist eine Gruppe von Ökonomen zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Stopp russischer Gasimporte für Deutschland relativ geringe Auswirkungen hätte. Allerdings hat die Arbeit gravierende methodische Schwächen – wodurch sie die Folgen eines Embargos unterschätzt. Ein Beitrag von Tom Krebs.

In den Medien wird aktuell ein möglicher Stopp der russischen Erdgasimporte intensiv diskutiert. Und auch die Wissenschaft hat sich zu Wort gemeldet. In einer viel beachteten Studie berechnete eine Gruppe von Ökonomen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen ein solcher Lieferstopp hätte. Das Ergebnis ist für viele überraschend: Laut den Modellsimulationen von Bachmann et al. (2022) würde ein sofortiger und vollständiger Lieferstopp nicht mehr – und in der Basisversion viel weniger – als 2,3% des BIP relativ zum Trend kosten.

Das Ergebnis von Bachmann et al. (2022) hat weitreichende politische Implikationen, die auch in der Öffentlichkeit diskutiert wurden. Darüber hinaus haben einige Studienautoren in der öffentlichen Debatte den Standpunkt vertreten, dass eine „wissenschaftliche“ Diskussion der wirtschaftlichen Folgen eines Importembargos nur auf Basis modellbasierter Simulationsanalysen geführt werden kann – „model beats no model“. Eine methodische Einordnung der Arbeit von Bachmann et al. (2022) erscheint daher sinnvoll.

In diesem Beitrag argumentiere ich, dass die Studie von Bachmann et al. (2022) gravierende methodische Schwächen hat. Konkret ist meine Kritik, dass der untersuchte Wirkungszusammenhang durch die Modellberechnungen nicht angemessen abgebildet wird. Denn an entscheidender Stelle fehlt den Modellberechnungen das empirische Fundament. Dies führt dazu, dass die Studie die wirtschaftlichen Folgen eines Stopps russischer Gasimporte unterschätzt.

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