Fremde Federn

Das unsichtbare Drittel, Bankenkrise, Weltraumbahnhof Deutschland

Diese Woche unter anderem in den Fremden Federn: Welcher Teil der Deutschen sich nicht durch die Politik vertreten fühlt, wie globale Vernetzung die Energiewende ermöglichen kann und vier Tipps für Möchtegern-Autokraten.

Foto: Jojo Bombardo via Flickr (CC BY-ND 2.0)

In den „Fremden Federn“ stellen wir einmal pro Woche in Kooperation mit dem Kuratorendienst piqd eine Auswahl von lesenswerten journalistischen Fundstücken mit wirtschaftspolitischem Bezug zusammen. piqd versteht sich als eine „Programmzeitung für guten Journalismus“ – was relevant ist, bestimmen keine reichweitenoptimierten Algorithmen, sondern ausschließlich ausgewählte Fachjournalisten, Wissenschaftler und andere Experten.

Das unsichtbare Drittel und die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft

piqer:
Christian Huberts

Im Anschluss an die Landtagswahl in Thüringen herrscht erneut große Ratlosigkeit: Wie kann die AfD so große Zustimmung genießen? Warum wählen überraschend viele Menschen unter 30 Jahren die „autoritär nationalradikalistische“ Partei? Eine jüngst veröffentlichte Studie der Initiative More in Common kann diese Fragen zwar nicht abschließend beantworten, gibt aber zumindest ein paar bekannte und neue Impulse. Für Zeit Online fasst Maximilian Probst die Ergebnisse von „Die andere deutsche Teilung“ zusammen.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass 30% der Menschen in Deutschland „eine große Distanz zum politischen System und ihren Mitmenschen“ empfinden. Sie seien deshalb „auf politisch-gesellschaftlicher Ebene kaum sichtbar“. More in Common nennt diese Gruppe das „unsichtbare Drittel“. Wer dazu zählt, fühle sich weder von der Politik der Parteien noch von zivilgesellschaftlichen Bewegungen angesprochen. „Sichtbar“ sind demnach nur zwei Drittel der Gesellschaft.

Das »unsichtbare Drittel« setzt sich vor allem aus zwei von der Studie definierten Gruppen zusammen: Die „Pragmatiker“, die sich auf ihren persönlichen Erfolg konzentrieren, und die „Enttäuschten“, die sich generell unfair behandelt fühlen. Beiden ist gemeinsam, dass sie sich überproportional oft einsam fühlen, keine klare politische Orientierung besitzen, zwischen 18 und 39 Jahre alt sind sowie AfD wählen. Und auch wenn die Studie nur eine Momentaufnahme darstellt und keine konkreten Schlüsse zulässt, so deutet sich doch ein Schlaglicht in der großen Ratlosigkeit an:

Am stärksten wird das unsichtbare Drittel von Gerechtigkeitsfragen umgetrieben. Faire Löhne, bezahlbarer Wohnraum, eine höhere Besteuerung von Spitzenverdienern: Das wäre die Agenda des unsichtbaren Drittels, wenn es eine hätte.

Wenn Ökonomik selbstbezüglich in Journalaufsätzen versackt

piqer:
Gunnar Sohn

„Die wissenschaftliche Qualifikation muss an oberster Stelle stehen, ansonsten kann der Sachverständigenrat Wirtschaft seinem Qualitätsanspruch nicht gerecht werden. Veröffentlichungen in angesehenen internationalen Fachzeitschriften können diese Qualifikation am besten belegen.“ An dieses Zitat von Isabel Schnabel zum Kandidaten der Gewerkschaften für den Sachverständigenrat musste ich denken, als ich die WiWo-Story über die unheimliche Macht der Journals las.

Wie die Auswahl dieser sogenannten Top-Journals abläuft, sollte kritisch hinterfragt werden. Das Zählen solcher Zeitschriften und die damit verbundenen Zitationsfaktoren führen zu einer merkwürdigen Kandidaten-Monotonie bei Berufungsverfahren, schrieb ich in einer Replik in Richtung von Frau Schnabel. Eine Re-Replik blieb aus.

In der Wirtschaftswoche wird hingegen die Dominanz der fünf führenden Fachzeitschriften trefflich hinterfragt. Was die US-Magazine betreiben, bedrohe die Themenvielfalt und begünstige Vetternwirtschaft. Letztlich sind es die Herausgeber, die am Ende des Auswahlverfahrens darüber entscheiden, ob ein Beitrag gebracht wird oder nicht. „Der amerikanische Nobelpreisträger James Heckman, selbst Mitherausgeber des ‚Journal of Political Economy‘, warnt vor einer ‚Tyrannei der Top Fünf‘, die zu ’stromlinienförmiger Forschung und strategischem Publizieren‘ führe könne“, berichtet die Wiwo. Man könnte auch vom Arschkriecher-Syndrom sprechen, denn wer eine Karriere im Wissenschaftsbetrieb anstrebt, wird an den Publikationen in den Spitzen-Journals gemessen.

Dagegen regt sich zunehmend Widerstand: „Wir wollen versuchen, die Kräfte dafür zu stärken innerhalb und außerhalb der Universitäten, die daran arbeiten, dass Wirtschaftswissenschaften nicht hauptsächlich selbstbezüglich in Journalaufsätzen versacken, sondern dass sie dazu beitragen, ökonomische und gesellschaftliche Probleme zu lösen – anders als das bisher der Fall ist“, so Professor Reinhard Pfriem. Die Wiwo hat da schon einen guten Aufschlag gemacht.

Wie die Bankenkrise von 1931 ins Chaos führte

piqer:
Dirk Liesemer

Viele Texte, die sich mit historischen Themen befassen, erzählen eine Geschichte sauber vom Anfang bis zum Ende. Sie erscheinen einem manchmal wie versteinert. Nichts oder fast nichts ist mehr fraglich, offen oder ungeklärt. Die Geschichte hat dabei alles Dramatische verloren und man merkt kaum noch, wie viel Interpretation in ihr steckt. Selbst wenn es um Kriege, Fußballspiele oder Aktienkurse geht, lesen sich solche Texte, als wäre der Ausgang immer schon vorherbestimmt gewesen. Manchmal wundert man sich nur, warum Menschen überhaupt dieses oder jenes Wagnis eingegangen sind, wenn am Ende doch nur Tod, Niederlage oder Bankrott warteten. Ich will hier aber gar nicht polemisch gegen gut gemachte Rekonstruktionen wettern. Es gibt sehr gute Gründe für solche Geschichten, ich habe ja hier selbst schon viele derart gemachte Stücke empfohlen, und es ist auch keineswegs leicht, die dafür notwendigen Fakten zu recherchieren und korrekt zu ordnen.

Aber mir kommen doch oft jene Momente zu kurz, in denen Menschen eine richtige oder falsche Entscheidung getroffen haben. Wieso haben sie sich nur verspekuliert? Oder um den Bogen zum Text von Christian Schütte über die Bankenkrise von 1931 zu schlagen: Wie kam es, dass die Danat-Bank, immerhin das damals zweitgrößte deutsche Geldinstitut, einen viel zu hohen Kredit an ein marodes Unternehmen vergab? Anders gefragt: Wie konnte sie nur so blind sein? Und warum führte „Hungerkanzler“ Heinrich Brüning eine so harte Sparpolitik durch, obwohl er sich über die Folgen seiner Politik doch im Klaren war? Solche Fragen werden im zweiten Teil des Textes (der natürlich auch eine Rekonstruktion ist) nicht nur aufgeworfen, sondern – zumindest kurz – diskutiert. Ich finde, das macht diese ohnehin dramatische Geschichte zusätzlich lesenswert.

Wir brauchen eine positive Story für die globale Vernetzung, sagt Rifkin

piqer:
Anja C. Wagner

Jeremy Rifkin residierte wieder im Berliner Adlon und gab Interviews zu seinem neuen Buch über den notwendigen globalen Green New Deal.

Er beschreibt zunächst die Entwicklungslinien, die zum nahen Zusammenbruch der Fossil-Industrie führen:

  • Ausbau der Erneuerbaren Energien durch Europa und China
  • Fehlende Amortisierung neuer fossiler Anlagen
  • Kipp-Punkt für Solar und Wind bei 14% Marktanteil

Das wird so oder so in den nächsten Jahren geschehen. Parallel muss die Politik selbst in neue Infrastrukturen investieren und diese auch im Überbau forcieren.

Wir müssen dafür sorgen, dass das Kommunikationsinternet, das Energieinternet erneuerbarer Energien und ein Mobilitätsinternet aus Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeugen verschmelzen, ausgestattet mit Sensoren, verbunden über das Internet der Dinge und mit den Menschen zu einem globalen neuronalen Netz, als Nervensystem der ökologischen Gesellschaft. Das sagt aber keiner so, es fehlt Erzählung, das Narrativ, der Überbau. Ohne Überbau endet man mit tausend unverbundenen Pilotprojekten, aber nicht in einer neuen Wirtschaft.

Dazu bräuchte es grüne Banken, die grüne Anleihen vor allem für die Billionen-Gelder der weltweiten Pensionsfonds ausgeben. Mit diesem Geld ließe sich die Infrastruktur auf lokaler wie regionaler Basis auf- und ausbauen. Nicht top-down, sondern vernetzt.

In der neuen Ökonomie muss man Netzwerkeffekte nutzen, sich vernetzen, kooperieren. Wir brauchen in Europa Tausende von kleinen und mittleren High-Tech-Unternehmen und -Kooperativen. Deshalb ist eine andere Art der politischen Steuerung unausweichlich!

Es braucht ein Zusammenspiel von gesellschaftlichen Gruppen, Unternehmen, Organisationen und Regierungen, die den Krisenfall als Normalzustand annehmen und gemeinsame Projekte kooperativ angehen – über ein zusammenhaltendes Narrativ.

Fazit: Die Energiewende vollzieht sich bereits und es muss weiter Druck auf die Industrie ausgeübt werden, sich zu ändern, nicht auf die Menschen.

Was treibt Manager zum Exzess? Eine Innenansicht

piqer:
Sven Prange

„Wir Banker sind ein Stamm mit zahlreichen Unterstämmen. Ihr oberstes Gut ist das Vertrauen. Ob sie tatsächlich vertrauenswürdig sind oder ob sie nur so aussehen, ist für ihre Aufstiegschancen sekundär.“ So beginnt ein Text in der NZZ am Sonntag nicht etwa vor zehn Jahren, unmittelbar nach dem Höhepunkt der „großen Finanzkrise“, die in Wirklichkeit eine gigantische Banker- und Bankenkrise war,  sondern in diesen Tagen. Was schon auf ein nicht unerhebliches Problem der Bankenwelt hindeutet: Vertrauensverlust von Bankern und Banken ist so latent, dass ein Verweis auf selbigen quasi zu jeder Zeit gültig scheint.

Man könnte sagen, er ist systemimmanent.

Und damit wären wir bei diesem Film. Für diesen ist es Marc Bauder gelungen, einen ehemaligen Investmentbanker der Deutschen Bank vor die Kamera zu bekommen. Rainer Voss zeichnet in 87 sehr intimen Minuten ein Bild seines eigenen Lebens und seiner Wirkungsstätten, die Menschen, die sich für ihr Geld und das System, in dem sie es wahren, interessieren, gruseln lassen.

„Bedingungslose Loyalität zur Organisation. Sie müssen bereit sein, Ihr Leben aufzugeben“

fasst Voss die Prämissen seiner Branche zusammen. Und man könnte dies als aufgewärmte Klischees abtun, wenn Voss sie nicht mit so unfassbaren Details belegen würde. Dass Bauder nebenbei auch noch ein ästhetischer Film gelungen ist, tröstet über die nicht ganz zu leugnende Sperrigkeit des Themas hinweg.

Der Film erzählt zwar vor allem, aber nicht nur, über die Abgründe der Finanzindustrie. Wie Rainer Voss seine eigene Gedanken- und Anreizwelt aufblättert lehrt Lektionen, die weit über die Finanzbranche hinausgehen. Weil er über den Korpsgeist erzählt, der eben auch in anderen Branchen herrscht. Eigentlich überall dort, wo Institutionen sich in Abgrenzung zur Außenwelt definieren. Die Gedanken und Motivationen des ehemaligen Investmentbankers Voss kann man sich gut auch für ehemalige VW-Dieselmanipulateure oder Monsanto-Glyphosatstudienfälscher vorstellen.

Was hinter der Idee eines Weltraumbahnhofs in Deutschland steckt

piqer:
Rico Grimm

Der Bund der Deutschen Industrie hat vorgeschlagen, einen Weltraumbahnhof in Deutschland zu errichten. Das Wirtschaftsministerium hat sich offen für den Vorschlag gezeigt. Das war einer von insgesamt acht Vorschlägen, um die hiesige Luft- und Raumfahrtindustrie zu stärken. In diesem Interview ordnet ein Raumfahrtprofessor den Vorschlag ein:

  • Eine Weltraumbahnhof wie z.B. in Cape Canaveral ist in Deutschland unmöglich: zu dicht besiedelt, zu große Gefahr, dass Trümmerteile auf Ortschaften fliegen.
  • Was ginge: Ein Weltraumflughafen. Das ist ein Unterschied: Hier würde horizontal gestartet werden, mit Flugzeugen, die Raketen in die Luft bringen, wo diese dann wiederum selbst starten.
  • Aber egal, ob Flughafen oder Bahnhof. Deutschland bräuchte ein Weltraumgesetz.
  • Vielleicht wäre das Geld woanders besser investiert: in der Entwicklung von Kleinstsatelliten.

Hat die Treuhand den Osten zerstört?

piqer:
Maximilian Rosch

Fast 30 Jahre liegt die Wende, die deutsche Einheit, die Wiedervereinigung zurück. Eng mit ihr verknüpft ist die Arbeit der Treuhandanstalt, deren Aufarbeitung auch im Jahr 2019 noch nicht abgeschlossen ist. Es gibt (wieder) Forderungen nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Die Treuhand: Wahlkampfthema und Feindbild.

Im September diskutierte Florian Schairer mit Nikola Schmidt, Jobst Knigge, Christian Gesellmann und Wolf-Rüdiger Knoll in der alten Ölmühle in Wittenberge.

Eine differenzierte Betrachtung

Jobst Knigge hat gemeinsam mit Inge Kloepfer die MDR-Doku „D-Mark, Einheit, Vaterland – Das schwierige Erbe der Treuhand“ gedreht. Darin äußerte sich erstmals auch die langjährige Präsidentin Birgit Breuel ausführlich. Knigge berichtete über viele Hintergründe der Recherche und über die Reaktionen auf die Doku.

Wir hatten ein Screening in Leipzig […]. Und da waren ganz viele Leute, für die diese Zeit immer noch ein Wendepunkt in ihrem Leben war – und kein guter Wendepunkt. Und da hat man nochmal gemerkt, wie unglaublich das [Thema Treuhand] beschäftigt und Angst macht und wütend macht und traurig macht. – Jobst Knigge, Regisseur und Drehbuchautor

Treuhand verständlich erklären

Ein umfassendes Erklärstück über die Treuhand hat der freie Journalist und Autor Christian Gesellmann für Krautreporter zusammengestellt. Der Historiker Wolf-Rüdiger Knoll vom Institut für Zeitgeschichte erklärt, dass ein Grund für die schnelle Privatisierung auch die Überzeugung gewesen sei, dass der Staat gar nicht der bessere Unternehmer oder Eigentümer sein könne. “Das Problem war bloß, dass die Bundesregierung in den 1980er-Jahren ein Unternehmen pro Jahr privatisierte. […] Und dann kommen plötzlich 8.500, die man in vier Jahren privatisierte.”

Jena, Zwickau und Wittenberge

Am Beispiel von Jena und Zwickau erklärte Christian Gesellmann auch den Einfluss der Privatisierung auf Städte. Mit quasi gleicher Ausgangsposition gestartet seien diese beiden heute zwei komplett unterschiedliche Städte, wie er sagt. In Wittenberge, dem Veranstaltungsort, wurden die großen Betriebe alle geschlossen, wie Wolf-Rüdiger Knoll näher ausführen konnte. Er forscht aktuell über die Arbeit der Treuhand in Brandenburg.

Geschichte darstellen

Mit dem „Traumschüff” bringt ein kleines Theaterkollektiv regionale Themen in verschiedene Orte in Nordostdeutschland. Sie treten mit verschiedenen Programmen auf der kleinen Bühne ihres Schiffes auf und kommen darüber mit den Menschen vor Ort ins Gespräch. In „Treue Hände” stellen sie die Spannungen und Umbrüche durch die Treuhand in den Leben dreier Protagonistinnen dar.

Zum Thema Treuhand war ich überrascht davon, wie oft man doch Tränen im Publikum sieht und wie groß das Redebedürfnis ist. – Nikola Schmidt, Vorständin und künstlerische Leiterin des Traumschüff – Theater im Fluss

Klimaschutz im Gerichtssaal

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Nick Reimer

Der 31. Oktober 2019 könnte auch mit verschobenem Brexit-Termin ein historischer Tag werden: In Berlin entscheidet das Verwaltungsgericht, ob Angela Merkels Regierung schuldig im Sinne der Anklage ist. Die Klage hatten vor Jahresfrist drei Familien eingereicht, ihr Vorwurf: Die deutsche Bundesregierung tue zu wenig, um den menschengemachten Klimawandel einzudämmen. Konkret geht es um das Klimaziel 2020: Immer wieder hatte die Regierung bekräftigt, die Treibhausgas-Produktion um 40 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. Doch statt zu handeln erklärte die Bundesregierung im Juni 2018 dieses Ziel offiziell als verfehlt.

Die Folgen dieser Politik trügen die Bauern, heißt es in der Klageschrift. Durch Wetterextreme schwinde ihr Lebensunterhalt, die Grundrechte der Kläger würden verletzt:

„Die Kläger zu 1) – 13) sind sowohl gegenwärtig als auch in vorhersehbarer Zukunft in physisch und wirtschaftlich spürbarer Weise von den Folgen des anthropogenen Klimawandels betroffen, und daher auch von jeder Steigerung der Dichte von Treibhausgasen in der Atmosphäre mit den damit einhergehenden Folgen für Temperatursteigerung, Wetterextreme und Anstieg der Meeresspiegel.“

Die Kläger 1 bis 13 sind Heiner Lütke Schwienhorst plus Familie, die Familie Backsen von der Insel Pellworm und die Blohms aus dem Alten Land. Greenpeace tritt in der Klage als Verband auf, als Stellvertreter für die Rechte der Allgemeinheit.

Interessant durfte das Urteil insgesamt für die deutsche Rechtssprechung sein, die Bundesregierung hält die Klage nämlich für unzulässig. Vor dem Berliner Verwaltungsgericht lässt sie sich durch eine Anwaltskanzlei aus Köln vertreten, die argumentiert:

„Die Klage berührt wesentliche Grundsätze der Verfassung, namentlich den Gewaltenteilungsgrundsatz und das Demokratieprinzip. Diese würden in Frage gestellt, wenn der Bundesregierung gerichtlich vorgeschrieben werden könnte, welche Politik sie zu verfolgen hätte.“

Das aber gab es in der Vergangenheit immer öfter: Gerichte, die Politik machen.

Mit Facebook an die Macht: vier Tipps für Möchtegern-Autokraten

piqer:
Jörn Klare

Alexander Fanta legt auf netzpolitik.org anschaulich dar, wie sich mit Hilfe insbesondere von Facebook und trotz aller Beteuerungen von Mark Zuckerberg Menschen manipulieren und Wahlen beeinflussen lassen. Grundlage dieser kurzen Anleitung – Lesezeit ca. 12 Minuten – ist eine Analyse der aktuell gängigen Methoden.

1. „Frage Fragen und bitte um Geld“ – über simple Botschaften und penetrante Spendenaufrufe

2. „Erzähle Märchen über deine Gegner“ – über politische Lügen mit Facebooks Segen

3. „Stifte mit Troll-Armeen Verwirrung“ – über die Macht der Masse von Fehlinformationen

4. „Lasse Sockenpuppen für dich sprechen“ – über anonyme Werbung

Lesenswert ist Fantas Darstellung vor allem wegen ihrer konkreten Beispiele, zu denen es zahlreiche Links gibt, und der Tatsache, dass sie auch entsprechende Gegenmaßnahmen von Facebook aufführt und einordnet.

Facebook bleibt ein Einfallstor für die Donald Trumps dieser Welt und ihr schmutziges Geld. Perfides Targeting, sanktionierte politische Lügen, Raum für Troll-Armeen und Sockenpuppen – diese Taktiken von Rechtaußen-Politikern und autoritären Regierungen sind auf Facebook nicht nur möglich, sondern sogar Teil des Geschäftsmodells.