Wochenrückblick

Was diese Woche wichtig war

Finnland testet das Grundeinkommen, einige Länder kämpfen gegen den Wertverfall ihrer Währungen und die Ökonomenszene trauert um einen ihrer herausragenden Vertreter – die wichtigsten wirtschaftspolitischen Ereignisse der Woche kompakt zusammengefasst.

Deutschland

Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge plant die Bundesregierung, beim Mindestlohn Ausnahmeregelungen für Flüchtlinge und Zuwanderer zuzulassen. So soll für Menschen, die sich für die Anerkennung ihres ausländisches Berufsabschlusses in Deutschland erst nachqualifizieren müssen, in dieser Zeit kein Mindestlohn gelten müssen. Die Lohnuntergrenze ist zum 1. Januar um 34 Cent auf 8,84 Euro angehoben worden.

Die Zahl der Erwerbstätigen ist 2016 auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung gestiegen. Im Durchschnitt des vergangenen Jahres hatten 43,4 Millionen Menschen einen Job. Das sind 425.000 mehr als im Vorjahr, ein Plus von 1%.

Allerdings hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt zuletzt etwas verschlechtert. Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Dezember 2,57 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 36.000 mehr als im Vormonat, aber 113.000 weniger als im Dezember 2015. Die Arbeitslosenquote stieg leicht auf 5,8%. Die Zahl der Unterbeschäftigten betrug 3,57 Millionen (Quote: 7,9%). Das sind 43.000 mehr als im Vormonat und 59.000 mehr als im Dezember des Vorjahres. Die Unterbeschäftigung erfasst anders als die offizielle Arbeitslosenzahl auch Erwerbslose, die sich in Maßnahmen befinden oder zum Zeitpunkt der Erhebung krankgeschrieben waren.

Die deutschen Tariflöhne und -gehälter sind laut Berechnungen des WSI-Tarifarchivs im letzten Jahr um real 1,9% gestiegen (nominal: +2,4%). Die effektiven Bruttoeinkommen (hier fließen unter anderem auch Einkommen von Beschäftigten ein, die nicht nach Tarif bezahlt werden) legten um 1,8% zu.

Grafik: WSI

Die deutsche Inflationsrate ist im Dezember deutlich gestiegen. Sie liegt jetzt bei 1,7%, das ist der höchste Stand seit drei Jahren.

Eurozone und Europa

Aufgrund des deutlichen Anstiegs in Deutschland ist auch die Inflationsrate der Eurozone angezogen. Die Verbraucherpreise legten im Dezember gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,1% zu. Die um die schwankungsanfälligen Preise für Energie, Lebensmittel, Alkohol- und Tabakwaren bereinigte Kerninflation stieg allerdings nur leicht auf 0,9%.

In Griechenland sind zum Jahreswechsel zahlreiche Steuererhöhungen in Kraft getreten. Insgesamt will der griechische Staat durch die Erhöhungen in diesem Jahr Mehreinnahmen von knapp 2,5 Milliarden Euro erzielen. Die Abgaben für den Erwerb von Produkten wie Kaffee, Treibstoff und Tabakwaren steigen deutlich an. Der größte Teil der Mehreinnahmen (1,5 Milliarden) soll vor allem durch Steuererhöhungen für Landwirte, Hausbesitzer und Selbstständige erzielt werden. Zudem werden die Renten abermals gekürzt.

Die Lage auf dem spanischen Arbeitsmarkt hat sich im letzten Jahr deutlich verbessert. Die Zahl der Beschäftigten legte kräftig zu – insgesamt hatten 17,8 Millionen Menschen im Jahresdurchschnitt eine Stelle (+3,1% gegenüber 2015). Die Zahl der bei den Arbeitsämtern registrierten Erwerbslosen sank im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 390.000 auf etwa 3,7 Millionen – das ist der stärkste Rückgang überhaupt seit Beginn der Erfassungen im Jahr 1997. Allerdings liegt die Arbeitslosigkeit auch weiterhin auf extrem hohen Niveau.

Finnland will mittels eines Experiments die Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens testen. Unter Leitung der Sozialversicherungsbehörde Kela werden 2.000 zufällig ausgewählte Arbeitslose zwei Jahre lang jeden Monat 560 Euro bekommen.

Tim Barrow wird neuer britischer EU-Botschafter werden. Barrow war von 2011 bis 2015 Großbritanniens Botschafter in Russland. Er löst Ivan Rogers ab, der überraschend von seinem Amt zurückgetreten war. Rogers war von Brexit-Befürwortern scharf kritisiert worden, weil er gesagt hatte, dass die Austrittsverhandlungen zwischen Großbritannien und der EU zehn Jahre dauern könnten.

 

USA

Die US-Notenbank könnte ihre Zinsen im Laufe dieses Jahres schneller erhöhen, als bisher erwartet worden war. Aus dem in dieser Woche veröffentlichten Protokoll („Minutes“) der Dezember-Sitzung geht hervor, dass die Notenbanker eine stärkere Straffung der Geldpolitik vornehmen würden, sollten beispielsweise die Konjunkturprogramme des künftigen US-Präsidenten Donald Trump zu einer Überhitzung der US-Wirtschaft führen. Die Fed zeigte sich laut dem Protokoll auch besorgt über einen zu starken US-Dollar.

Die US-Arbeitslosenquote ist im Dezember leicht gestiegen. Sie liegt jetzt bei 4,7% (November: 4,6%). Insgesamt wurden 156.000 neue Stellen geschaffen.

 

China

Die chinesische Zentralbank hat die Landeswährung Yuan am Freitag deutlich aufgewertet. Dafür hat die PBoC offenbar direkt auf den Devisenmärkten interveniert, indem sie Dollar verkaufte und dafür Yuan erwarb.

Zudem hat die chinesische Regierung ihre Kapitalverkehrskontrollen erneut verschärft. Wenn Chinesen Yuan in ausländische Währung umtauschen wollen, müssen sie sich jetzt verpflichten, das Geld nicht für bestimmte Investitionen zu verwenden, darunter Immobilien, Lebensversicherungen oder Wertpapiere.

Die anhaltende Kapitalflucht aus China hat in dieser Woche den Kurs der Kryptowährung Bitcoin zwischenzeitlich auf neue Höchststände katapultiert, da diese die Möglichkeit bietet, trotz der erneut verschärften Kapitalkontrollen aus der chinesischen Währung zu fliehen (einen exzellenten Bericht dazu finden Sie in der Finanz & Wirtschaft).

 

Türkei

Die türkische Lira hat auch in der ersten Handelswoche ihre Talfahrt fortgesetzt und ist gegenüber dem Dollar und dem Euro auf ein neues Allzeittief gefallen.

 

Mexiko

Auch der mexikanische Peso steht weiterhin gehörig unter Druck und fiel auf ein neues Jahrestief. Der Wertverlust steht im Zusammenhang mit der Wahl Donald Trumps. Trump hatte angekündigt, eine Renationalisierung der internationalen Wertschöpfungskette im verarbeitenden Sektor zum Kernpunkt seiner Wirtschaftspolitik zu machen und übt weiterhin starken Druck auf US-Unternehmen aus, die ihre Produktion nach Mexiko verlagern wollen. Unter anderem hatte der Autohersteller Ford angekündigt, Investitionsvorhaben von 1,6 Milliarden Dollar in mexikanische Produktionsanlagen zu revidieren. Die mexikanische Zentralbank bestätigte Berichte, nach denen sie derzeit versucht, mit Dollar-Verkäufen den Peso zu stabilisieren.

 

Regulierung

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat ein geplantes Treffen zur Verabschiedung international geltender Eigenkapitalvorschriften verschoben, da sich die Notenbankgouverneure sowie die Vorsitzende der Finanzmarktaufsichtsbehörden im Vorfeld nicht auf einheitliche Eigenkapital- und Liquiditätsvorgaben einigen konnten. Hintergrund der Auseinandersetzung um das als „Basel III“ bekannte Regelwerk ist eine Kontroverse zur korrekten Berechnung von Risikomodellen. Während die amerikanische Finanzaufsichtsbehörde SEC den diskretionären Spielraum von Banken bei der Berechnung ihrer eigenen Kapitalunterlegung eingeschränken will, argumentieren deutsche und französische Geldhäuser, dass dies für sie Wettbewerbsnachteile gegenüber der amerikanischen Konkurrenz bedeuten würde.

 

Ökonomenszene

Tony Atkinson ist tot. Der weltweit berühmte Ungleichheitsforscher verstarb am Neujahrstag im Alter von 72 Jahren. Zahlreiche Ökonomen würdigten Atkinson. Nobelpreisträger Paul Krugman lobte ihn als „Pionier der Ungleichheits-Forschung und wundervolle Person“. Branko Milanovic schlug vor, einen nach Atkinson benannten Preis zu schaffen, mit dem zum Thema Ungleichheit forschende Ökonomen geehrt werden sollten. Eine Übersicht von Trauerbekundungen, Würdigungen und informativen Links finden Sie unter anderem im Blog Verteilungsfrage.