Fremde Federn

Alternativer Nobelpreis, Boomer, geschmierte Einheit

Diese Woche unter anderem in den Fremden Federn: Wieso die chinesische Entwicklungspolitik an Glanz und Einfluss verliert, warum die Baby-Boomer-Generation plötzlich wieder gefragt ist und welche Rolle Schmiergeld bei der Einheit spielte.

Foto: Jojo Bombardo via Flickr (CC BY-ND 2.0)

In den „Fremden Federn“ stellen wir einmal pro Woche in Kooperation mit dem Kuratorendienst piqd eine Auswahl von lesenswerten journalistischen Fundstücken mit wirtschaftspolitischem Bezug zusammen. piqd versteht sich als eine „Programmzeitung für guten Journalismus“ – was relevant ist, bestimmen keine reichweitenoptimierten Algorithmen, sondern ausschließlich ausgewählte Fachjournalisten, Wissenschaftler und andere Experten.

China, die Schuldenkrise der ärmeren Länder und das Klima

piqer:
Thomas Wahl

Der Aufstieg Chinas zur Großmacht ist so beeindruckend wie widersprüchlich. Im SPIEGEL schrieb jüngst der Ökonom und Chinakenner George Magnus:

Mein Eindruck ist, dass viele Menschen noch nicht verstanden haben, dass sich China gerade in einer sehr verwundbaren Phase befindet. Das Land ist zwar eine riesige Wirtschaftsmacht und eine geostrategische Größe, aber es befindet sich in der Defensive. Das liegt nicht nur an der bedauernswerten Verfassung der heimischen Wirtschaft, sondern auch am Druck aus den USA und ihrer Verbündeten. …. Wenn die Chinesen sagen, dass sie sich als wirtschaftliche und militärische Großmacht verstehen, ist das ernst gemeint. Die Partei ist überzeugt, dass sich der liberale Kapitalismus in einem Abstiegskampf befindet und man diesen günstigen Moment nutzen muss, um ihre momentane Stärke in eine dauerhafte Wirkung zu verwandeln.

Inzwischen ist China auch einer der größten Kreditgeber für ärmere Länder in Afrika und Asien geworden. Sie fördern dort Infrastrukturen, aber mit eigenen Arbeitskräften. Ihr Export von Industriewaren steigt, ihre Währung kommt in Gebrauch und natürlich wächst der politische Einfluss. Gleichzeitig erhebt sich der Vorwurf, die Länder abhängig zu machen und sie in die Schuldenfalle zu treiben. Auch wenn keiner weiß, wie viel Geld dabei insgesamt im Spiel ist.

„In der Regel ist China äußerst verschwiegen, was die Details seiner Entwicklungsfinanzierung im Ausland angeht. Ohne solche Daten ist es schwierig, konkrete Aussagen über die Stichhaltigkeit des Arguments einer Schuldenfalle zu machen“, kritisiert Darren Cheong von der Singapurer Denkfabrik Iseas. Er kommt aber zu dem Schluss, dass in Südostasien auf jeden einzelnen Dollar Hilfe aus Peking 5 Dollar Schulden von dort kamen – was zu einer enormen Abhängigkeit führt. Weltweit liege das Verhältnis sogar bei 1 zu 9.

Wie das ganze System funktioniert, zeigt z. B. das Schicksal Sri Lankas. Das Land wurde seit 2005 von den Brüdern Rajapaksa mehr oder weniger autokratisch geführt und hatte sich an Pekings Finanztropf gehängt. Im Frühjahr 2022 brach die Wirtschaft zusammen. Es folgte die Absetzung der Rajapaksas sowie eine demokratische Verfassungsreform. Was nicht kam, war Hilfe aus China – keine Umschuldungen, keine Lebensmittelhilfen. Stattdessen sprang Indien mit bislang mehr als 4 Milliarden Dollar Soforthilfe ein. Darin scheint ein Muster zu liegen:

Ein ähnliches Bild in Pakistan. Das Land, das über den China-Pakistan-Wirtschaftskorridor (CPEC) mehr als 60 Milliarden Dollar aus China für den Bau von Kraftwerken, Straßen, Eisenbahnlinien und den Hafen Gwadar erhielt, droht in die Zahlungsunfähigkeit zu gleiten. Und abermals blieben die Hilferufe an den großen Partner unbeantwortet. In beiden Fällen sprangen multilaterale Geldgeber, in der ersten Reihe der Internationale Währungsfonds (IWF) mit seinen Krediten, den Staaten bei.

Wobei diese Geldgeber eben oft unbeliebte Bedingungen stellen. Wie etwa Streichung von Subventionen. Um so wichtiger wäre Transparenz bei der Schuldenfrage, insbesondere auch beim chinesischen Vorgehen. Wobei unklar scheint, ob die chinesischen Verantwortlichen die Zahlen nicht liefern wollen oder nicht können.

Denn in der Volksrepublik gibt es diverse Geber. Es wird vermutet, dass die Regierung selbst nicht genau weiß, wer aus dem Land was mit Krediten finanziert hat. Auch vermuten Entwicklungsfachleute, Peking verschleiere Angaben bewusst, um seinen Einfluss in den strategisch wichtigen Schwellenländern Asiens und Afrikas, die auch von Cheong genannte „Schuldenfalle“, zu verbergen.

Es folgt ein zwielichtiges Spiel. Statt Transparenz drängt Peking auf die Einbeziehung der multilateralen Entwicklungsbanken in einen möglichen Schuldenerlass. Machen die mit, verliert China entsprechend weniger Geld. Gleichzeitig wird die Kapitalbasis der multilateralen Organisationen geschwächt in einer Zeit der Multikrisen. Insgesamt erscheint also die chinesische Entwicklungspolitik an Glanz und Einfluss zu verlieren. Und hier könnte eine Chance für Deutschland und Europa liegen – auch für eine Entwicklungspolitik mit Klimazielen. Die Deutschen hatten sich nach den Schuldenkrisen in den 90er Jahren mit Krediten für ärmere Länder zurückgehalten, aber jenseits eines Schuldenerlasses versucht, in der Krisen zu helfen. Aber so etwas wie eine demokratische Gegenstrategie zu Chinas globaler Investitionsinitiative der „Neuen Seidenstraße“ gab es nicht. Warum nicht jetzt dort mit Investitionen in klimaschutzrelevante Infrastrukturprojekte einsteigen:

Um Mitte des Jahrhunderts CO2-neutral zu wirtschaften, müsse jetzt überall in den Ausbau der erneuerbaren Energien investiert werden. Deutschland habe dazu das Programm „Just Energy Transition Partnership“ mit Südafrika und mit Indonesien entwickelt. Es zeichne sich auch eine Verständigung mit dem Senegal darüber ab. Auch mit Blick auf solche Engagements spürt Peking Gegenwind: Denn die Schuldendebatte gewinnt zu einem Zeitpunkt an Fahrt, an dem auch Pekings Initiative der Neuen Seidenstraße (BRI) durch die Demokratien gekontert wird.

Klingt jedenfalls Erfolg versprechender und realistischer als vieles, was derzeit in Deutschland selbst so an Ausstiegsszenarien zur Klimarettung verkündet wird.

Europas Rolle in einer neuen Weltordnung

piqer:
Jürgen Klute

Der deutsche Politikwissenschaftler Herfried Münkler hielt in diesem Jahr die Festrede zur Eröffnung der „Buch Wien“. Im Mittelpunkt seiner Rede standen die geostrategischen Veränderungen, die sich seit dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine vollziehen.

Münkler geht davon aus, dass die regelbasierte und auf wirtschaftlichem Austausch basierende Weltordnung, die im Rahmen der Europäischen Union entstand und dann vor allem nach dem Zerfall des Warschauer Paktes ihren Höhepunkt erreichte, mit dem russischen Krieg an ihr Ende gelangt ist. Für dieses Scheitern benennt Münkler die aus seiner Sicht entscheidenden Gründe.

Ausgehend von dieser Analyse entwirft er dann eine Skizze einer möglichen zukünftigen Weltordnung, in der China und die USA die beiden dominanten Mächte sind. Russland und Europa sieht der als deren jeweiligen Juniorpartner. Indien könnte einen Platz zwischen den Stühlen einnehmen und als Zünglein an der Waage fungieren.

Ob das so kommen wird, kann derzeit niemand sagen. Interessant finde ich Münklers Ausführungen, weil er Perspektiven öffnet und sich nicht festbeißt an der eher moralischen statt politischen Vorstellung, Russland käme nach Ende des Krieges dauerhaft die Rolle eines Parias zu.

Work hard, boom hard – Boomer als Hoffnung für den Arbeitsmarkt?

piqer:
Anja C. Wagner

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Bei der Vorstellung des MINT-Herbstreports 2022 identifizierte man drei Strategien, um den Bedarf zu decken:

  • Kurzfristig: Schnelle Integration ausländischer Fachkräfte
  • Mittelfristig: Weiterbildung für alle Erwerbstätigen
  • Langfristig: Bessere Ausbildung der Schüler*innen

Im hier verlinkten Artikel des größten deutschen Digitalunternehmens versucht man sich nun an der Adressierung einer gern übersehenen Zielgruppe für die eigene Workforce: Es sind die Baby-Bommer, die ins Visier geraten, denn nicht alle bereiten sich auf die Rente jetzt schon vor. Dazu führen die Autor*innen einige Studien und Statistiken an:

Die Baby-Boomer wollen neue Fähigkeiten erlernen. In den USA sind laut einer AARP-Studie 57 % der Arbeitnehmer*innen über 50 (die jüngsten Boomer, die 1964 geboren wurden, werden 2022 58 Jahre alt) daran interessiert, sich beruflich weiterzubilden, wenn ihr Arbeitgeber dies wünscht. Und sie sind nicht technikfeindlich. Ein Bericht des Beratungsunternehmens Mobiquity aus dem Jahr 2020 stellt fest, dass die meisten (77 % von 253 Befragten) gerne neue Technologien ausprobieren.

Hier ist also eine oft gescholtene Bevölkerungsgruppe identifiziert, die für Unternehmen sehr interessant sein könnte. Um allerdings diese Gruppe als potenzielle Arbeitnehmer*innen zu erreichen, müssen einige Hausaufgaben gemacht werden, so der Artikel. Denn bislang beziehen erst acht Prozent aller Unternehmen das Alter als weiteren Faktor ihrer Diversity-Anstrengungen ein.

Wie man diesen Bias überwinden kann, dafür gibt der Artikel einige Empfehlungen:

  • Bekämpfung des Potenzials für Voreingenommenheit bei der Einstellung und Bindung von Mitarbeiter*innen
  • Boomer als Coaches und Mentor*innen einsetzen
  • Boomers als Wissensvermittler*innen
  • „Gestaltung“ von Arbeitsplätzen, um Rollen zu schaffen, die den Interessen der Boomer entsprechen

Der Beitrag von breitester Diversity für die kollektive Intelligenz eines Unternehmens oder einer Organisation sollte nicht unterschätzt werden. Vielerorts herrscht ein zu enges Bild von Diversity – die erweiterten Potenziale haben die wenigsten auf dem Schirm. Ich hatte dazu letzthin selbst ein 7-minütiges Video aufgezeichnet.

Insofern freut mich der empfohlene Blogpost, der mit der nahezu anrührenden Bitte schließt: „Baby-Boomer, bitte bleibt.“

Der Wandel der Arbeit – von der Technikfrage zum Vertrauen

piqer:
Ole Wintermann

Nach Jahren der Debatte über die Zukunft der Arbeit und die Auswirkungen der Pandemie auf unsere Art des Arbeitens kommt dieser Podcast mit Prof. Heike Bruch von der Uni St. Gallen zur richtigen Zeit. Prof. Bruch fasst die bisherige Debatte um die verschiedenen Aspekte des New Work-Wandels zusammen und kann diese Aspekte auch empirisch belegen.

Richtigerweise merkt sie an:

„Mit Blick auf die Zukunft sind wir erst am Beginn der Veränderung von Arbeitsformen und New Work.“

Basierend auf ihren Studien verweist sie auf den immensen kulturellen Nachholbedarf beim Wandel der Arbeit. Während die technische Herausforderung des mobilen Arbeitens inzwischen weitestgehend gemeistert worden ist, sind es nunmehr vor allem die Führungskräfte und die Unternehmen, die den technischen Wandel auch mit einem kulturellen Wandel unterstützen müssen.

Sie fordert letztlich implizit die Abkehr von der Technikzentrierung und die Hinwendung zu den Menschen im Unternehmen. Dabei reicht die Handlungs-Maxime so weit, dass es auch gilt, das bestehende Geschäftsmodell zu hinterfragen. Unternehmen und Führungskräfte werden sowohl von Beschäftigten als auch KundInnen immer stärker hinterfragt. Darauf kann das Unternehmen, so Bruch, nur mit Vertrauen antworten und diesen Vertrauensansatz auch offensiv kommunizieren.

Deutschland im Jahr 2022: Durchschnittlich +2,4 Grad wärmer

piqer:
Nick Reimer

Ein altes Sprichwort geht so: „Der Dorfteich war ein Meter tief und trotzdem ist die Kuh ersoffen.“ Will sagen: Vorsicht mit dem Durchschnitt!

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland, so etwas wie der Mantelproduzent für alle in der Madsack Mediengruppe erscheinenden Zeitungen, hat die Ergebnisse der Wetterstationen in Deutschland im Jahr 2022 ausgewertet: Demnach war es außerordentlich warm (Stand 29. November), im Durchschnitt lag die Temperatur 2,4 Grad Celsius über dem langjährigen Mittelwert. Damit erwärmt sich Mitteleuropa deutlich stärker als manch anderer Teil der Welt. Im Pariser Klimaabkommen hatten sich die Staaten verpflichtet, die durchschnittliche Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen – durchschnittlich.

Weil die Kollegen offensichtlich das Sprichwort mit dem Dorfteich kennen, liefern sie ein Tool mit, bei dem jeder die Messstation aufrufen kann, die bei ihm um die Ecke liegt. Bei mir ist das die Messstation Lindenberg, die 2022 bisher eine Durchschnittstemperatur von 11,9 Grad Celsius verzeichnete – 2,5 Grad höher als im langjährigen Mittelwert von 1961 bis 1990.

Die Bandbreite der Abweichung reicht von 1,3 bis 3,3 Grad Celsius: 17 von 274 Messstationen registrierten wenigstens drei Grad mehr, mit Ausnahme von Magdeburg liegen alle in Süddeutschland. In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und im Saarland lag die Temperaturanomalie besonders häufig bei rund drei Grad. Am wenigsten stark – plus 1,3 Grad – stieg die Temperatur an der Messstation Mittenwald-Buckelwiesen, eine bayerische Ausnahme auf 1.000 Meter Höhe.

Wirtschaften geht auch anders

piqer:
Jürgen Klute

Die Art, wie wir wirtschaften und leben, hat unmittelbar mit der Klimakrise zu tun, in die wir immer stärker hineinschlittern. Andere Formen des Wirtschaftens sind also dringend nötig. In der letzten Novemberwoche wurde in Stockholm der „Right Livelihood Award“ verliehen. „Right Livelihood Award“ lässt sich als „Auszeichnung für das Recht auf ein menschenwürdiges Leben“ übersetzen. Diese Auszeichnung gilt vielen als „Alternativer Nobelpreis“.

Der diesjährige „Right Livelihood Award“ ging an die venezolanischen Kooperativenverbund Cecosesola. Etwa 30 Organisationen und Betriebe mit ca. 23.000 Mitgliedern gehören zu dem Kooperativenverbund. Die tragenden Säulen von Cecosesola sind menschenwürdige Arbeitsbedingungen, existenzsichernde Einkommen, umweltverträgliche Produktionsweisen und wirtschaftliche Mitbestimmung bzw. Wirtschaftsdemokratie. In ihrem Artikel für die taz stellen die beiden Journalistinnen Annette Jensen und Ute Scheub den Kooperationsverbund Cecosesola vor und geben einen kleinen Einblick in die Arbeit des diesjährigen Trägers des „Alternatives Nobelpreises“.

Welche Rolle spielte Schmiergeld bei der Einheit?

piqer:
Achim Engelberg

Wieder einmal ist von der Zeitenwende die Rede. Zeitgleich werden immer mehr Dokumente bekannt, die die Welt hinter den Kulissen vor der historischen Zäsur 1989 erhellen oder Fragen aufwerfen, die sowohl letzte Zeitzeugen wie analysierende Historiker beantworten.

Anna Loll und Stephan Ozsváth folgen der Spur eines aufgetauchten Dokuments des tschechoslowakischen Geheimdienstes.

Sie stellen Fragen wie:

Hat die Bundesregierung damals die ungarische Grenzöffnung erkauft? Welche Rolle spielte die Verschuldung der Ostblockstaaten im Westen? Wie hat die Bundesregierung im Jahr des Mauerfalls mit der Schuldenproblematik des Ostblocks Politik gemacht?

Spannend, wie das Dokument von verschiedenen Akteuren und Experten unterschiedlich gedeutet wird – vom Schlüssel zum Verständnis bis hin zur Fälschung.

Freilich, der Umbruch war nicht gekauft, aber Zeitenwenden führen dazu, dass einige versuchen, ihre Position zu verändern.

Das ist nicht neu, wie ein Rückblick auf die erste deutsche staatliche Einheit von 1871 zeigt. Auch hier spielte hinter den Kulissen Schmiergeld eine Rolle. Aber wie bei der zweiten staatlichen Einheit waren andere Faktoren fundamentaler. Die finanziellen Mittel steigerten allerdings das Tempo.

Zurück zu 1989 und der Bedeutung der Grenzöffnungen in Ungarn und in der Tschechoslowakei, die vor dem Mauerfall am 9. November 1989 erfolgten.

Am Anfang sahen viele Beobachter, die gebannt auf die Demonstrationen schauten, nicht sofort, dass untergründig Weichen gestellt werden für ein Abschmelzen des Ostblocks.

Einer, der vieles früh erkannte, war der 2020 verstorbene Klaus Hartung. Im taz-Nachruf heißt es zum Gipfelpunkt seines publizistischen Lebens, seiner Chronistenarbeit bei der Zeitenwende 1989/90:

Sein Datum war nicht der „amtliche Mauerfall“ des 9., sondern der weithin ignorierte Mauerfall am 3. Novem­ber. Hartung saß kettenrauchend im Inlandressort und erklärte uns, dass der Eiserne Vorhang soeben verschwunden sei. Mit dem visumfreien Verkehr von der DDR in die ČSSR und der Aufhebung der Visumpflicht für DDR-Bürger für den Grenzübertritt von der ČSSR nach Bayern am 3. November war der Weg in die Freiheit offen.

Hartung schrieb: „Man stelle sich vor, ein Traum geht in Erfüllung, und keiner merkt es so richtig: Die Mauer ist gefallen. Seit Freitagnacht kann sich ein DDR-Bürger aus Karl-Marx-Stadt in seinen Trabi setzen und nach München fahren. Einen Personalausweis und Sprit – mehr braucht er nicht. Seit Freitagnacht wird nur noch Mauer gespielt, mit Beton, Stacheldraht, Flutlicht und Patrouille.“

Heute, in einer anderen Wendezeit, ist es aufschlussreich zu sehen, wie langsam viele damals erkannten, was geschah. Der Nebel der Gegenwart umhüllte auch viele, die hinter den Kulissen agierten.

Und es bleibt immer ein Rest, der nicht aufgeht. Nur Verschwörungsgläubige präsentieren Rechnungen, die vollständig aufgehen.